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demente zu einem historisch und künstlerisch wichtigen Stück er-hoben — wie leicht läßt sich z. B. ein nur mit Wappen geschmückterEinband noch mit einem Semis versehen, oder einem nur mit Rahmenund kleinen Eckfleurons versehener Deckel noch eine Plakette auf-prägen (und solche Fälschungen wurden dutzendweise hergestellt)! —In solchen Fällen ist allerdings sorgfältigste Prüfung nötig, die sichauf alle Äußerlichkeiten, wie die Frische der Pressung und die Sorg-falt des Golddrucks erstrecken muß, aber auch alle historischen Hilfs-mittel heranziehen sollte und ohne Einfühlung in den historischen Stilkaum denkbar ist. Wenn ein mit Bandwerk geschmückter Renaissance-band durch nachträglichen Aufdruck der Devise oder der Besitzangabezu einem Grolierband erhoben wird, so kann man durch archivalischeForschungen, durch Prüfung der Herkunftsangabe der Fälschung aufdie Spur kommen. Aber wenn ein Einband ä la Gascon vorliegt undalle äußeren Kriterien versagen, so wird letztlich derjenige der Lösungdes Rätsels am nächsten kommen, der beim Betrachten aus seinerKenntnis des Zeitstils heraus irgendeine Unstimmigkeit fühlt undentdeckt.
Die Fähigkeit, Fälschungen zu beurteilen, ist wohl der beste Prüf-stein für die Kenntnis des Einbandforschers. Aber es wäre überflüssig,Kräfte zur Abwehr zu entwickeln, wenn sie nicht auch zu Aufbauund Anerkennung fähig wären. Und der Bucheinband ist diese Mühewert. Denn der schöne Einband aller Zeiten ist ein Gebilde künst-lerisch gestalteter Lebensform, geschaffen zu Gebrauch und Genuß;die Gesetze dieser Form aber zu erkennen, ihre Verwirklichungen an-zuerkennen, im schönen Einband einen Bestandteil künstlerischerLebensgestaltung zu genießen — das lehrt die Einbandkunde.
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