wenig daneben die rein historische Forschung vernachlässigt werdendarf, zeigen die Ergebnisse, die Gottlieb bei seinen Grolierforschun-gen durch peinlich philologisch-historische Methode gefunden hat,eine Methode, der auch de Ricci und Hobson die Entdeckung deswahren „Majoli" verdanken.
Viele Fragen der Einbandgeschichte harren noch der Lösung. Aufmanche Grenze des bisherigen Wissens ist bei den historischen Be-trachtungen des Einbandschmuckes, teilweise auch der Technik anwichtigen Stellen hingedeutet worden. Hier kann deshalb nur aufeinige besonders brennende Probleme hingewiesen werden. Für dieUntersuchung des mittelalterlichen Prachtbandes ist die Kunstwis-senschaft vor allem zuständig. Der Gebrauchsband muß mit Hilfevollständiger Stempelsammlung und Nachweisung der genanntenBuchbinder einmal örtlich festgelegt werden können. Schwieriger ge-stalten sich die Fragen beim Golddruckband, denn schon über seineHerkunft haben wir bindende Aufschlüsse noch nicht. Italien unddie Korvinus-Bibliothek in ihren Beziehungen, Italien und die Ein-bände der deutschen Studenten, Italien und die Grolier-Bände, süd-und norditalienische Einbandkunst im 15. Jahrhundert, Venedig undMailand — alles viel untersuchte und keineswegs geklärte Fragen.Um Aldus und Koberger spielt das Problem des Verlegereinbandes —nicht zu lösen ohne umfassende Sammlung der unzähligen Drucke derOffizinen und der ihnen zugeschriebenen Einbände. Immer neueLichter fallen auf das Kunstschaffen des 15. und 16. Jahrhunderts,wenn Einbandschmuck sich als abhängig von der Graphik der Zeitherausstellt — aber die bekannten Einzelheiten verlangen nun nachumfassenderer Behandlung.
Eine ganze Gruppe der hier erwähnten Fragen erweist die Bedeu-tung der Einbandforschung als Hilfswissenschaft benachbarter Ge-biete. Als Zweig der angewandten Kunst, die von der freien Kunstder Zeit weithin abhängig ist, verlangt der historische Einband dieBeachtung des Kunsthistorikers, weit über den Elfenbein- und Gold-schmiedeeinband hinaus; eine Anerkennung dieses ZusammenhangesHegt in der Tatsache, daß schon Naglers Monogrammistenwerk dieSchneider von Einbandplatten berücksichtigt hat. Den historischenWissenschaften dient die Einbandforschung, indem sie zeitliche und
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