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Der Wert der Einbandbestimmung durch Stempelvergleichung darf nichtüberschätzt werden. Wie die Typenvergleichung nicht das unbedenk-liche Hilfsmittel der Inkunabelbestimmung ist, muß auch der Ein-bandforscher bedenken, daß die Stempel im Handel waren und vonWerkstatt zu Werkstatt vererbt wurden. Das ist aus der Tatsache zuschließen, daß oft die gleichen Stempel mit verschiedenen Initialenbezeichnet sind. Aber nicht immer wurden bei Lieferung an verschie-dene Buchbinder oder bei Erbgang oder Weiterverkauf diese Buch-staben neu angebracht oder geändert; oft genug fehlen sie ganz. Nochschlimmer ist diese Gefahr falscher Gleichsetzung bei den petits fers,den Einzelstempeln der großen französischen Buchbinder, die sichin den vielgliedrigen Buchbinderfamilien weitervererbten; einer derbesten Kenner dieser Einbandperiode, der Sammler Hans Fürsten-berg, macht auf diese Gefahr nachdrücklich aufmerksam. Und einezweite Gefahr für Fehlschlüsse nennt er: die französischen Ein-bände sind vielfach nicht eines einzigen Meisters Arbeit; selbst dieTrennung von relieur und doreur wird nicht stets genügen; und da diewenigsten signiert sind, steht der Forscher vor sehr schwierigen, kaumlösbaren Aufgaben, wenn er den Buchbinder erschließen will.Stempelvergleichung genügt nicht. Worauf außerdem zu achten ist —alles, was im Vorhergehenden nach Technik und Schmuck behandeltworden ist, kann Aufschlüsse geben — wird in den Richtlinien aufge-zählt, welche die Kommission für Bucheinbandkataloghierung heraus-gegeben hat. Die Beschreibungen, welche nach der Absicht der Kom-mission auf die Bedürfnisse der Einbandforschung zugeschnitten sind,sollen nicht nur die beiden Deckel in den wichtigen Einzelheiten(Flächenaufteilung, Stempel, Farben, Texte, Beschläge, Material) inWorten und eventuell in Abreibungen wiedergeben; es ist auch auf dieBehandlung der Steh- und Innenkanten, des Rückens und des Schnit-tes, des Kapitals, der Heftlagen und des Vorsatzes zu achten. DieseVorschriften sind jedoch nicht so schematisch, daß sie sich nicht denbesonderen Erfordernissen jeder einzelnen Epoche der Einbandge-schichte anpassen könnten. Auch dafür, worauf bei jeder Epoche ins-besondere zu achten ist, gibt die Kommission Hinweise, wenn z. B.für den mittelalterlichen Bünddruckband Einzelbuchstabenstempeloder Namensstempel, für das 17./18. Jahrhundert Supralibros eigensnamhaft gemacht werden. Schwieriger als diese auf dem Augenschein
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