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Einführung in die Einbandkunde
Entstehung
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bänden der deutschen Renaissance ist der Titel auf dem Deckel ganzselten; wenn er angebracht ist, erscheint er wie nachträglich aufge-druckt; so findet man bei Stimmbüchern meist die Angabe der Stimmeauf dem Deckel. Gelegentlich ist auf solchen Bänden die Schriftauch schwarz, gedruckt oder gemalt, wie es für den Aufdruck ein-zelner Buchstaben in der Zeit üblich war. Die Verwendung derverschiedensten Zierschriften und raffinierten Techniken, wie etwaHerstellung der Schrift durch Lederauflage, blieb der Einbandkunstneuester Zeit vorbehalten. Der Verlegerband ist ohne den Titel aufdem Deckel in unserer Zeit kaum denkbar.

Der praktische Wert des aufgedruckten Titels, die ästhetische Be-deutung seiner Einordnung in den Einbandschmuck ist ohne weiteresersichtlich. Schwieriger wird es für den Einbandforscher, wenn er dieRätsel lösen soll, die ihm Einzelbuchstaben und Jahreszahlen aufBuchdeckeln aufgeben. Zuerst die Jahreszahl: Außer bei den seltenenerzählenden Aufschriften des 15. Jahrhunderts, die auch ein Binde-j ahr nennen können, kommt eine Jahreszahl auf den Deckeln fast nurim 16. und 17. Jahrhundert und vorzugsweise in Deutschland vor.In Verbindung mit dem Buchtitel erscheinende Jahreszahlen, die dasDruck] ahr kopieren (und in späterer Zeit auf dem Rücken wiederholtwerden), scheiden aus. Zu betrachten sind die Zahlen, welche in einemFeld unterhalb der Mitte erscheinen, blind oder schwarz, manchmalauch in Gold gedruckt, und oft in den Farben mit dem übrigenSchmuck nicht übereinstimmend, dagegen mit einem Feld oberhalbder Mitte korrespondierend, in dem meist einzelne Buchstaben stehen.Solche Zahlen, die um 1525 einsetzen und zu Beginn des 18. Jahr-hunderts nur noch sehr selten vorkommen, bedeuten fast stets dasBindejahr; zweifellos in den Fällen, in denen sicher ist, daß der Auf-druck gleichzeitig mit dem Einbinden erfolgte. Es kommen Fällevor, in denen dieser Aufdruck auf einem älteren Einband (auch unterVernichtung von älteren Aufschriften) von einem späteren Besitzerangeordnet ist; dann würde es das Jahr des Besitzüberganges an dendurch Buchstaben bezeichneten Besitzer bedeuten. Die Jahreszahlwäre also dann nur ein terminus ante quem für das Binde] ahr.Versteckter und schwieriger zu bestimmen sind die Jahreszahlen, diesich auf einzelnen zum Schmucke gebrauchten Rollen und Plattenfinden. Sie können nur als Anhaltspunkte dienen, nach welcher Zeit

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