Unter den zum Deckelbezug verwendeten Geweben ist Leinen dasfür die Dekoration in den Techniken des Blind- und Golddruckes nocham besten geeignete. Der Verlegerband hat die Leinen- und Baum-wollengewebe erst richtig in Gebrauch gebracht und er ist es auch,der ein Recht gibt, im Zusammenhang des künstlerischen Einbandesvom Leinenband zu reden. Seit es überhaupt wieder eine Einbandkul-tur gibt, hat diese Einbandart eine starke, propagandistische Wirkungfür den künstlerisch wertvollen Einband ausgeübt; nicht nur wurdendie neuen, auf dem Gebiet des Handeinbandes gefundenen Schmuck-motive in sinngemäßer Weise nachgebildet und so zu geschmack-bildender Wirkung geführt — sondern es ging der von Künstlernentworfene Verlegerband auch seinerseits mit neuartigen künstleri-schen Lösungen anregend voraus, so daß der Käufer des Verlagsein-bandes von dieser Seite her zu anspruchsvollerem Geschmack ge-führt wurde und auf den künstlerisch geschmückten Einband neuachten lernte. Für den Handeinband bedeutete diese Entwicklung desVerlegerbandes einen steten Ansporn, der freilich trotz der zunehmen-den Propagierung des einfachen geschmackvollen Einbandes eher zuEinsparungen im Schmuck als zu Vereinfachungen des Materials ge-führt hat, so daß der Leinenhandeinband, dem bei den verschiedenenTönungen und Geweben und bei seiner Eignung zu ähnlichen Schmuck-weisen wie beim Lederband offenbar noch große Wirkungsmöglich-keiten vorbehalten sind, heute zu den zu Unrecht vernachlässigtenGebieten des künstlerischen Handeinbandes gehört. Die gern ver-arbeiteten leichten Druckpapiere verlangen geradezu nach einemleichten Einband, wie ihn der Leinenbezug ermöglicht; und dieseRücksicht gehört ebenso zu den Forderungen an das Verständnis desKunstbuchbinders, wie man verlangt, daß er keine dem Gehalt desBuches widersprechende Farbe für den Einband wähle.Der Leinenband hat Schmuckstadien durchmachen müssen, welchemit ihm den Verlegereinband überhaupt für lange Zeit diskreditiertund heute noch nicht völlig überwundene Vorurteile erzeugt haben.Die Hochprägung des roten Leinenbandes zu Scheffels undBodenstedtsZeiten, die zügellose Anwendung von Gold und Farben zur Erzie-lung von Pracht- und Geschenkeinbänden, die hinter dem Glas derBücherschränke bald der verdienten Bleichsucht anheimfielen, dieskrupellose Nachahmung alter Kunsteinbände durch Goldpressung
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