<?äm
1931). Die meisten deutschen Kunstbuchbinder sind jetzt im „BundMeister der Einbandkunst" vereinigt, den Hans Dannhorn und FranzWeisse 1923 gegründet haben.
Mit diesen Bemerkungen über den modernen Einband überhauptdem vorzugreifen, was über die mit anderen Stoffen als Leder her-gestellten künstlerischen Einbände zu sagen ist, ließ sich nicht leichtumgehen. Es ist ein berechtigter Tribut, der damit der führenden Rolledes Leders beim Kunsteinband gezollt wird. Die restlichen Schmuck-techniken bieten dem Kenner des Ledereinbandes nicht mehr vielNeues; es werden deshalb einige Beobachtungen genügen, dieseKenntnisse auf die anderen Schmucktechniken auszudehnen.Auf Pergament, dem nächst dem Leder wichtigsten Einbandstoff, wie-derholen sich weithin die auf Leder begegnenden Ziertechniken.Viel mehr noch als bei Leder, hat man die Schönheit des Materialsallein sprechen lassen; die strenge Wissenschaft ist mit diesen Ein-bänden vertrauter als die große Bibliophilie. Nur selten hat man soreichen, den ganzen Deckel überziehenden Schmuck angebracht wiebei Leder. Aber es fehlen weder die Blinddruckformen der deutschenRenaissance, noch die Vergoldungen in den im Süden und Westenbevorzugten Formen. Die ohne Deckeleinlage gearbeiteten Perga-mentbände in Spanien haben in den Arbeiten Jakob Krauses für desKurfürsten August Reisebibliothek eine Parallele. Auch unter demBesitz der französischen Herrscher an schönen Einbänden sind Per-gamentbände mit dem Semis von Initiale und Lilie und dem Wappenin der Mitte. Der Schmuck des Pergamentbandes mit dem Supra-libros in Gold auf der großen elfenbeinartigen Fläche gehört zu demSchönsten, was ohne Prunk in der Geschichte des guten Einbandes ge-leistet worden ist. Die bemalten Pergamentbände dagegen, auf de-nen man im 18. Jahrhundert den Schmuck des reichen Lederbandesdurch Farben nachzuahmen suchte, können den Bibliophilen vonheute so wenig begeistern wie der Mißbrauch der Deckelfläche fürgemalte Darstellungen ländlicher Stilleben. Selbst ein Pergamentbe-zug aus den Blättern nicht mehr benötigter kirchlicher Handschrif-ten, oft mit schönen Initialen — ein vom 16. Jahrhundert an häufiggeübtes Verfahren — besitzt gegenüber den bemalten Bänden denVorzug größerer Echtheit.
201