SWS
fragf
l I H
■U'-Si?
k
tigen Zusammensetzung erfordert ebensolche Erfahrung, wie dasDrucken mit den richtig erwärmten Stempeln. Golddruck wird heißergedruckt als Blinddruck; die Gefahr, den Einbandstoff zu verbrennen,ist also erhöht. Vor dem Golddruck wird nicht nur grundiert, sondernmeist das Muster auch blind vorgedruckt. Der Schmuck durch Hand-vergoldung kann im allgemeinen nur nach einem Entwurf erfolgen,der auf den Einband durchgezeichnet wird. Da nun das Blattgold,das zum Drucken verwendet wird, auf den Einband gelegt werdenmuß und so die Zeichnung zudeckt, wüßte der Vergolder die Stempelnicht richtig anzusetzen, wenn er nicht blind vorgedruckt unddas Blattgold mit einem Wattebausch in die Vertiefungen eingedrückthätte. Das Gold haftet nur an den von dem heißen Stempel berührtenStellen, der Rest wird abgekehrt. Bei der Preßvergoldung ist das Vor-drucken nicht nötig; hierfür wird das Schmuckmaterial für den gan-zen Einband auf einer Pappe zusammengestellt und befestigt, und derAbdruck erfolgt mit einem einzigen Druck der Presse. Preßvergol-dung muß bei den Platten angewandt werden, die mit Menschenkraftkeine genügende Prägung auf dem Leder erreichen könnten. Für denvergoldeten Verlegerband ist es die übüche Technik; da meist echtesBlattgold auch bei diesen Masseneinbänden zur Anwendung kommt,ist gegen die Qualität der Vergoldung selten etwas einzuwenden. Diegleichmäßig geheizte Presse erzielt sogar oft dauerhaftere Vergol-dungen als die nicht immer gelungene Handvergoldung in der Werk-statt früherer Jahrhunderte; die vergoldeten Bände aus diesen Zeiten,die einen Ersatz des Goldes nicht kannten, müßten sonst durchwegbesser erhalten sein.
Das Vergolden ist eine so vielseitige Kunst, daß die großen Kunst-buchbinder die Vergoldung ihrer Entwürfe oft besonderen Vergolde-werkstätten überließen und daß auch die Namen dieser Vergolde-künstler ihren Platz in der Geschichte des Kunsteinbandes eroberthaben. Im Handwerk geriet dieser Zweig der buchbinderischen Tä-tigkeit im 19. Jahrhundert so in Vergessenheit, daß es eine Tat war,als zwei Kenner, Otto Hörn und Wilhelm Patzelt, in Gera eine Ver-golderschule in den 80 er Jahren eröffneten, die nicht ohne Bedeutungfür die Entwicklung der deutschen Kunstbuchbinderei geblieben ist.Der Verlegerband, der möglichst den ganzen Schmuck von einer gra-vierten Platte druckt, ist auf solche Fähigkeiten nicht angewiesen;
170