unbedeutende Rolle, daß man von einer Neueinführung der Blind-pressung durch Courteval gegen das Jahr 1800 sprechen kann. DieRomantik liebte den blindgepreßten Einband und je größer dasSchmuckmotiv war, desto weniger wurde es vergoldet. Die Einbändeim Kathedralstil — einer Übertragung gotischer Architekturmotiveauf den Einband — sind oft blind behandelt. Dann bemächtigte sichder Verlegerband dieser billigen Schmuckweise; sehr eigenwilligeKunstbuchbinder, wie z. B. Franz Weisse, konnten im 20. Jahrhun-dert wieder wagen, Blindstempel anzuwenden; trotz der originellenFormen der Stempel hat sich der Blinddruck aber nicht wieder volldurchsetzen können.
Die eigentliche Schmucktechnik des neuzeitlichen Einbandes ist dieVergoldung. Auch rein technisch verlangt diese Schmuckart vom Buch-binder größte Geschicklichkeit; die sichere Hand des guten Vergol-ders ist am fertigen Schmuck so gut zu erkennen, wie die solide Binde-arbeit am fertigen Einband. Als Material der Vergoldung dient echtesBlattgold (in verschiedenen Tönen bis zum tiefen Orangegold), zufeinsten, nur kleinste Bruchteile von Millimetern starken Blättchen ge-schlagenes Gold. Zu Verlagseinbänden wird trotz geringer Ersparnismanchmal Goldfolie verarbeitet; sie ist nicht so empfindlich gegenjeden Luftzug bei der Behandlung, besitzt aber, selbst wenn sie alsAntioxydfolie gegen Oxydierung geschützt ist, viel geringere Dauer-haftigkeit. Nur zum Anbringen farbigen Schmuckes ist Foliendruckzu empfehlen neben dem Farbendruck. Die Herstellung eines Gold-oder Farbdruckes beginnt ähnlich dem Blinddruck; die Werkzeugesind die gleichen, wenn auch die Gravur für den Golddruck meist inumgekehrtem Sinn wie für den Blinddruck behandelt sein muß, umdas Bild in Gold vertieft erscheinen zu lassen. Außer für die Prägungdes Leders muß aber auch noch für das Haften des Goldes gesorgtwerden. Dazu dient die Grundierung, — d. h. die Behandlung desEinbandstoffes mit einer Lösung, welche das Gold auf die Dauer festan die Grundlage bindet. Das wichtigste Grundiermittel ist Eiweiß,dem zur Verhütung von Fäulnis Essig zugesetzt wird. Für poröse Le-der ist Kleistergrundierung vorzuziehen. Es gibt auch trockeneGrundiermittel, sogenanntes Vergoldepulver. Die Verwendung rich-tiger Grundiermittel für die verschiedenen Einbandstoffe in der rich-
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