Druckschrift 
Einführung in die Einbandkunde
Entstehung
Seite
161
Einzelbild herunterladen
 

Die Rolle, aus Arabien im 15. Jahrhundert übernommen, ist nur inihrer Technik ein Instrument der Renaissancezeit, wenn sie auch Jo-hann Richenbach schon gekannt hat; in ihrer Schmuckwirkung leistetsie das gleiche, was die aneinandergereihten Einzelstempel geleistethaben. Der gotische Bogenfries, aus Stempeln zusammengesetzt, wirdspäter von der Rolle gedruckt, um bald dem Palmettenfries als demfür den beginnenden Renaissanceband stilechteren Schmuckelementzu weichen. Das Rankenwerk für Umrahmungen, das schon durchsinnvoll geschnittene Einzelstempel zu einem fortlaufenden Musterausgebildet war, ist das nächste Gebiet, das sich die Rolle erobert; baldfolgen figürliche Darstellungen: die Einzelstempel gejagter Tiere wer-den schon um 1500 zu einer „Jagdrolle" vereinigt. Das Eindringendes Renaissancestiles in diese zunächst noch sehr beweglichen Dar-stellungen kündet sich durch die strengeren Formen im Ornamentalen(Kandelaberrollen u. ä.) und durch die Aufteilung in abgegrenzteEinzelbilder in den bildlichen Rollen an. Gleichzeitig damit vollziehtsich der Übergang zu Darstellungen, die in senkrechter Richtung ab-gerollt betrachtet werden müssen. Die „Querrolle", d. h. die figür-liche Rolle mit wagerechtem Bildablauf, die von dem friesartigenCharakter her (vgl. auch das fortlaufende Schriftband) das natürlichewäre, ist in der Renaissance ganz selten geworden; ganz wenige Buch-binder benützen für die kürzeren Querleisten des Renaissanceeinband-schmuckes eine breite figürliche Rolle, fast ausschließlich mit bibli-schenSzenen. AufdenAusweg, die von den Rollen gebildeten Schmuck-rahmen für die senkrechten und wagrechten Leisten mit verschiedenlaufenden Bildreihen zu besetzen, sind die Buchbinder nur ganz seltengekommen; und wenn auch die senkrecht ablaufende Rolle für dielängeren Strecken diente, so war doch ein in allen 4 Richtungendes Rahmens fortlaufender Fries, wie es bei den wagrechten Rollendurchgeführt war, nicht mehr möglich. Trotz ihres reichen Bildinhal-tes wurde die Renaissancerolle in eine vorzugsweise ornamentaleStellung gedrängt und der Buchbinder erkannte das stillschweigendan, indem er an den Überschneidungen auf das Bild keine Rücksichtnahm. Selbst die mit größter Kunstfertigkeit hergestellten Einbändeversagen in diesem Punkt; es ist schon ein Zeichen besonderer Sorg-falt, wenn die Rollen an den Rahmenecken nur aneinanderstoßen,nicht übereinandergreifen.

ii

161