11111
—
Ml»
i!■JsiiK
ÜeHHBB
So unentbehrlich die Rolle für jeden die Rechteckform des Buches inden rahmenartigen Schmuck übernehmenden Einband gewordenund geblieben ist, so ist sie doch kaum zu selbständiger Bedeutunggelangt. Es gibt einzelne Bände, die in der Art der Einzelstempel-bände mit senkrechten Stempelreihen mit mehreren senkrecht durchdas ganze Mittelfeld abgerollten Reihen geschmückt sind und eskann sein, daß die niederländischen Platten mit zwei Reihen in fort-laufendem Rankenwerk eingerahmter Einzelbilder in solchen Rollen-bänden ihr Vorbild haben; aber die überwiegende Verwendung derRolle geschah in Verbindung mit der Platte als deren Umrahmung;notwendig wurde die Platte durch ihre Mittelstellung, wie durch ihreGröße und ihre Form (eben die durch Dazwischentreten der Rollenverkleinerte Buchform) gegenüber der Rolle hervorgehoben undgab dem ganzen Einband ihr Gepräge. Daß schließlich auch Platten-darstellungen wieder auf Rollen übertragen wurden, ist eine Ent-wicklung der technischen Mittel, nicht der künstlerischen Ausdrucks-form. Rollen- und Plattenschmuck sind durch ihr gemeinsames Vor-kommen, wie durch Wechselwirkung ihrer Inhalte so enge verbunden,daß sie kaum getrennt betrachtet werden können, obwohl mit sol-cher Betrachtung der dazwischenliegende Wechsel der Stilarten nichtgewürdigt wird.
Es gibt für den Bucheinbandschmuck als solchen keine scharfe Grenzezwischen Gotik und Renaissance. Wie der herzförmige Palmetten-stempel aus der romanischen Periode unverändert auf den gotischenEinband übernommen wird, so arbeitet großenteils der Renaissance-buchbinder noch mit dem alten Material; und doch ist die Art derAnwendung oft schon charakteristisch für den neuen Stil. Wenn dieVorherrschaft des Schweinsleders für den deutschen Renaissance-band kennzeichnend ist, so ist damit der Kalbslederband nicht auf-gegeben — auch für den blindgedruckten Schmuck. Und wenn mitder Renaissance der Golddruck in den Einbandschmuck eingedrungenist, so ist die Vergoldung in gotischer Schrift gedruckter Titel aufEinbänden um 1500 ebensowenig ein Kennzeichen für den neuenStil, wie die Blinddruckverwendung für den Golddruck geschnitte-ner Stempel im 16. Jahrhundert eines für die mittelalterliche Deko-rationsweise. Das Eindringen der Renaissancekunst in den Buchein-band vollzieht sich in den verschiedenen Ländern zu verschiedenen
162