ag®
m
des Klosters, welchem das Buch gehörte, darstellt. Ähnliche Bedeu-tung haben alle irgendwelche Schrift enthaltenden Stempel. Einzel-stempel der üblichen Art mit einem Buchstaben als Schmuck müssennicht immer etwas zu sagen haben, wenn man auch irgendwelche Be-ziehungen zum Besitzer des Buches suchen wird; Schriftbänder mitden Worten „ave maria" oder „laus deo" können nicht anders gewer-tet werden wie die bildlichen Motive auf Stempeln. Aber es gibt auchschon in den 1430 er Jahren Einzeltypenstempel, die zu fortlaufendenTexten zusammengesetzt sind, und es gibt Schriftbänder mit Namen,die etwas zu sagen haben. Mit solchen Einzeltypen, die etwa den Ma-trizen der Buchdrucktypen entsprechen und beim Abdruck ein erha-benes Schriftbild erzielen, haben süddeutsche Buchbinder ihre Namenüberliefert, so der Nürnberger Dominikaner Conrad Forster, dessenEinbände wie die seiner Mitbrüder Johann Wirsing und WilhelmKrug um 1430—60 entstanden sind, und der Kaplan Johann Richen-bach in Geislingen, dessen Arbeiten in die 60 er und 70 er Jahre fallen.Die Schrift bildet bei diesen Einbänden, wie sie auch in der KölnerGegend vorkommen, den Rahmen für den Deckelschmuck. Schrift-bänder als Stempel dagegen sind in den übrigen Stempelschmuck ein-gefügt und kehren auf einem Einband mehrfach wieder. Nur Besitzer-namen bleiben meist auf einmaligen Abdruck beschränkt. Die Buch-bindernamen, die wir auf solche Weise kennen — ihre Aufzählungwird stets unvollständig bleiben — sind hauptsächlich in Süd- undMitteldeutschland zu Hause: Ambrosius Keller in Augsburg, Jo-hannes Hagmayer in Ulm, Johannes Fogel und viele andere in Erfurt,Franz Staindorffer in der Koberger-Werkstatt sind die bekanntesten;aber auch in Lübeck gibt es einen Buchbinder, der mit 2 Stempeln aufden Einband druckte: „hinricus coster bant dit."Unter den mittelalterlichen Blinddruckbänden ist eine kleine Gruppedadurch bemerkenswert, daß sie im Schmuck auffallende Ähnlichkeitmit Lederschnittbänden aufweist; nicht eine symmetrische oder will-kürliche Anwendung figürlicher Einzelstempel, sondern naturalisti-sche Blattmotive in leichter Stilisierung, flächig behandelt und inRahmen gesetzt mit niedergedrücktem Grund — das alles erzieltnur mit dem Streicheisen für die Blattrippen und durch einen sinnvollerdachten und angewendeten kleinen Stempel, der auf der einen Seitevon einer geraden oder gebogenen Linie, auf der anderen von den
159