nik noch nicht gebildet, obwohl erste Kräfte sich darin versuchthaben. Vorlagenwerke speziell für diese Technik, die sich sehr an diehistorischen Einbände anlehnen, sind in ziemlicher Zahl erschienen,aber in der Hauptsache schon wieder vergessen.Am schlimmsten wirkte sich die Nachahmung des Ledertreibeinbandesin den gepreßten, wattierten Verlagseinbänden und Massenmusternvon Alben um die Wende des 19. Jahrhunderts aus. Von der Flut istjetzt wenig mehr als die Erinnerung an Greuel übrig, denen manhöchstens gelegentlich noch in wohlbehüteten guten Zimmern be-gegnet.
Diese Nachahmung einer künstlerischen Technik, die auf die origi-nale Bearbeitung mit dem Messer ganz verzichtet, müßte deshalb beieiner anderen Gruppe des Einbandschmuckes behandelt werden:dem Schmuck durch Pressung oder Druck. In diese Gruppe gehört weit-aus das meiste, was seit dem Mittelalter an künstlerischer Ausschmük-kung von Ledereinbänden geleistet worden ist, der Blinddruck sosehr, wie der Golddruck, die Arbeiten mit petit fers so sehr, wie diegroßen Plattenpressungen, die Darstellung naturalistischer Motive,wie die Schrift auf dem Einband, — einerlei, ob Hand oder Maschinedie Arbeit geleistet haben.
Die Frage, ob die Hand des Buchbinders den Schmuck auf dem Lederangebracht hat, oder ob er sich maschineller Hilfsmittel, vor allem derPresse bediente, ist für den Liebhaber von ausschlaggebender Bedeu-tung; so maßgebend, daß Marius Michel seine Darstellung des fran-zösischen Einbandes nach diesem Gesichtspunkt in z Bände teilt undz. B. die vielbewunderten Rieseneinbände der Padeloupschen Werk-statt wegen der verwendeten Teilplatten zur „reHure commerciale"rechnet. Man wird im allgemeinen mit den Kriterien für die „reHureartistique" nicht so streng sein dürfen, wie Michel. Die Kunst desEinbandes besteht nicht aUein in der GeschickHchkeit, mit der derBuchbinder-Vergolder sein Stempelmaterial handhabt, nicht alleinin der Kraft, mit der er mögHchst große Stempel noch eigenhändigdrucken kann, sondern auch in der kunstvoUen Gestaltung der gan-zen Dekoration und in der sinngemäßen Verwendung der verfüg-baren technischen Hilfsmittel; wenn oft dann die Kunst mehrauf den Stempelschneider als auf den Buchbinder zurückgeht, wenn
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