■■■1
- .-•'•■"
ISS
wmmMWm^^^^S^
Il0ää£a^$3££i3&&&sffi&
' • ' 1 ■••• '-'•■■
man also Bedenken haben kann, den Buchbinder als Künstler zu be-zeichnen, so handelt es sich beim Erzeugnis, beim künstlerischen Ein-band, nicht darum, wem die künstlerische Wirkung zu verdanken ist,sondern darum, daß sie vorhanden ist.
Um Hand- und Maschinenarbeit auch bei dem mit Stempeln erzieltenEinbandschmuck zu unterscheiden, spricht man bei ersterer Art vonDrucken, bei letzterer von Pressen. Der Handbuchbinder drückt seineStempel nacheinander ins Leder ein, die Maschine, wie die Drucker-presse arbeitend, prägt mit einem einzigen Druck die ganze Platte aufden Einbandstoff. Die Handarbeit hat in der Größe der Platten eineGrenze. Die großen Stempel, welche z. B. von den Erfurter Buchbin-dern am Ende des 15. Jahrhunderts neben ihren kleinen Einzelstem-peln verwendet wurden, stehen noch innerhalb dieser Grenze. Aberdie in den Niederlanden aufkommenden kleinen Platten, deren Flächeschon ca. 30 qcm überschreitet, können mit einfacher Menschenkraftnicht wirksam gedruckt werden. Hier muß von früh an die Presse demBuchbinder zu Hilfe gekommen sein. Viel wichtiger aber als die Ent-scheidung, ob größere Platten von Hand gedruckt sind, ist die Frage,ob ein Einbandschmuck, der scheinbar aus einzelnen Stempelchen ge-bildet ist, nicht in Wahrheit gepreßt ist, sei es, daß das Ganze einePlatte ist, sei es, daß der ganze Schmuck zusammengesetzt von derPresse gedruckt ist, was jedoch an historischen Einbänden kaum mög-lich ist, da für die Presse passendes Stempelmaterial erst seit Auf-kommen des maschinellen Einbandes hergestellt wird.Die Prüfung, ob kleine Ornamente von Hand gedruckt sind, fällt beiKenntnis der Technik nicht schwer. Der sorgfältigste Vergolder kannunmöglich bei jedem Stempel den gleichen Druck erzielen; das Reliefdes Leders wird also etwas ungleichmäßig; die Stempel sind teils et-was tiefer, teils seichter eingedrückt. Ferner wird es nicht gelingen,alle Stempel genauestens symmetrisch anzubringen, alle Fileten soanzusetzen, daß Nähte nicht zu sehen sind; geringfügige Abweichun-gen gibt es stets. All diese Ungleichmäßigkeiten, die dem Gesamtbildso förderlich sind, wie etwa dem menschlichen Gesicht die geringeAsymmetrie, schätzt der Bücherfreund nicht nur als Charakteristikades handverzierten, sondern auch als Ausdruck des individuell gear-beiteten Einbandes; die abgezirkelte Symmetrie des maschinenmäßiggeschmückten Einbandes wirkt tot gegenüber diesem ewig sich er-
151