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Der älteste reine Lederschnittband gehört ebenfalls den Codices Boni-fatiani an. Er ist in ganz elementarer Weise nur mit geschnittenen Li-nien, einem in die vier durch Diagonallinien entstandenen Dreieckeeingesetzten dreispitzigen „Geriemsel"-Ornament, geschmückt. Ganzallein steht ein englischer Einband mit Lederschnitt und erstmals an-gewandter Ledertreibarbeit, für dessen Datierung man noch zwi-schen dem 10. und 12. Jahrhundert schwankt. Die eigentliche Periodedes Lederschnittes beginnt in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts undendet mit dem 15. Die früheren Arbeiten zeichnen sich durch flachereBehandlung, oft auch durch ungeschicktere Zeichnung aus; dieschönsten Erzeugnisse dieser Kunst stammen alle aus dem 15. Jahr-hundert. Aus dem 14. Jahrhundert sind 21 Lederschnittbände be-kannt und von Martin Bollert („Lederschnittbände des 14. Jahrhun-derts", Leipzig 1925) mit Abbildungen veröffentlicht. Aus dem15. hat Hans Loubier etwa 170 nachweisen können, deren Verzeich-nis er aber nicht mehr bekanntmachen konnte.Außerhalb des ehemaligen Deutschen Reiches scheint der Leder-schnitt nicht bekannt gewesen zu sein. Alle erhaltenen Bände stam-men aus diesem Gebiet; es lassen sich sogar auch innerhalb dieserGrenzen noch gewisse Hauptgegenden feststellen, zu denen vor allemFranken und Österreich (Steiermark) gehören. Die vollendetsten Ar-beiten kommen aus Nürnberg und Bamberg, dabei auch getriebeneLederschnittbände. Die steirischen Bände sind fast alle flach behandelt.Zu den Meistern, denen wir einen Teil der Nürnberger Einbände ver-danken, gehört ein aus Ulm gebürtiger Jude mit Namen Meir Jafe,dessen Person jedoch noch umstritten ist. Die große Zahl von Leder-schnittbänden zu jüdischen Handschriften, vor allem im 14. Jahrhun-dert, ist auffallend, doch lassen sich plausible Zusammenhänge nichtaufdecken. Ein anderer Künstler nennt sich „Petrus ligator" (1451).Die Darstellungen auf den Lederschnittbänden beginnen mit Pflan-zenornamenten und grotesken Tieren; auch einfache Schriftbilder(große gotische Buchstaben, meist auf den Inhalt bezüglich) kommenvor. Im 15. Jahrhundert bleiben die Tiergestalten beliebt, besondersinnerhalb von Kreisen, die die Deckelfläche gleichmäßig überziehen.Dazu kommen häufig Wappen der Besitzer (dies in Nürnberg sehrbehebt), Heiligenfiguren, Darstellungen aus dem menschlichen Le-ben. Zu letzteren hat vielfach die zeitgenössische Graphik die Vor-
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