wird, ist dabei das wichtigste Hilfsmittel; doch kommen auch andereMuster vor. Ihre Verwendung ist im 14. Jahrhundert noch sehr sel-ten. Weiterhin wird die Zeichnung emporgetrieben; das geschiehtentweder durch seitliches Unterschneiden der Schnittlinien oder durchHeraustreiben einzelner Flächen von der Rückseite her (mit Hilfeuntergelegter Lederringe). Zum Nachheben der Konturen bedientman sich besonderer Bleche in verschiedenen Formen. Die hochge-triebenen Stellen werden mit Kork unterlegt. Diese ganze Technik derLedertreibarbeit kommt fast nur in Verbindung mit dem Lederschnittvor und bedeutet auch stilistisch so gut wie keine Abweichung vomLederschnittband. Nur regt die Treibarbeit die umstrittene Frage an,ob ein plastisch geschmückter Einband dem Wesen des Buches nichtwiderspreche. Mit dem mittelalterlichen Buch vertrug sich eine solcheAusschmückung der Deckel sehr wohl, da ja Plastiken von viel grö-ßerer Tiefe in den Goldschmiede- und geschnitzten Einbänden ge-läufig waren und die liegend aufbewahrten Bücher keinen Schadenzu erwarten hatten. Dem heutigen Buch steht ein plastisch geformterDeckel viel weniger an, und das ist auch wohl der Grund, warum alleVersuche, diese Schmuckart wieder zur Geltung zu bringen, zu un-befriedigenden Ergebnissen führen. Die Erläuterung der Technik beiH. Pralle, „Der Lederschnitt, eine Werkkunst des Buchbinders",2. Aufl., Halle 1927, sagt alles Wissenswerte.
Zu den ältesten bekannten Ledereinbänden überhaupt gehören auchdie Einbände in Lederdurchbrucharbeit. Diese Schmuckweise entstehtdurch Ausschneiden verschieden geformter kleiner Stellen aus der zuzierenden Lederfläche; die ornamentale Wirkung wird betont durchuntergelegte vergoldete oder gefärbte Lederflächen. In solcher Weisehat Paul Adam den einzigen erhaltenen europäischen Einband dieserArt ergänzt, den sogenannten Ragyndrudiskodex, einen der dreiCodices Bonifatiani der Ständischen Landes-Bibliothek in Fulda, ausdem 8. Jahrhundert. Eine gewisse Ähnlichkeit in der Technik habendie etwa ebenso alten koptischen Lederbände, die bruchstückhaft inBerliner Museen aufbewahrt sind und von dem andern Meister derhistorischen Einbandtechnik, Hugo Ibscher, rekonstruiert wordensind. Man kann sich vorstellen, daß die filigranartigen Durchbruch-arbeiten des orientalischen Einbandes in seiner höchsten Blüte aufeiner Tradition von diesen koptischen Einbänden her fußen.
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