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Der Schmuck des Ledereinbandes kann in der Hauptsache entwederdurch Einpressen oder durch Einschneiden der Dekoration erzieltwerden. Im ersteren, weitaus häufigeren Fall entsteht der blind- odergoldgedruckte Einband, im letzteren der Leder schnitt, dem man, nichtmit vollem Recht, die größere künstlerische Bedeutung zugeschriebenhat. Sicher ist, daß der Lederschnitt dem Einbandkünstler weitausgrößeren malerischen und plastischen Spielraum läßt, als der Stempel-druck; sicher ist auch, daß in seiner Blütezeit der Lederschnitteinbandalle gleichzeitigen materialgerechten Einbandarbeiten übertraf. Abernicht in jeder Hinsicht bedeutet der Lederschnitt, der sich trotz vielerBemühungen in der modernen Einbandkunst nicht mehr recht ein-bürgern will, die unumschränkteste künstlerische Wirkungsmöglich-keit auf dem Gebiet des guten Einbandes. Farben und Narbe des Le-ders kommen nur in geringem Ausmaß zur Geltung; ja, die Verwen-dung ausgesprochen genarbter Leder verbietet sich von selbst fürden Lederschnitt; tatsächlich findet man fast ausschließlich Rinds-leder verwendet, vereinzelt weiß (alaungar), sonst selten in anderenFarben als braun, das heute oft durch die Patina der Zeit nachge-dunkelt ist.
Die Technik des Lederschnittes erfordert besondere Fähigkeiten; es istnicht sicher, ob die alten Lederschnittbände stets von den Buchbin-dern auch in der künstlerischen Ausführung behandelt worden sind,oder ob man eigene Lederschnittkünstler dafür annehmen soll. Einigespärliche Anzeichen begründen die Berechtigung dieser Annahme.Heute gilt der Lederschnitt zwar als ausgesprochen buchbinderischeKunst, aber nur wenige der ausübenden Buchbinder beherrschen ihn,wie etwa Prof. Joh. Rudel in Elberfeld; und die Grenzen für seine buch-binderische Anwendung sind enger geworden.
Sicheres Formgefühl ist nötig, die Zeichnung für den Lederschnitt-band zu entwerfen und auf die Decke zu übertragen, eine sichereHand, die Konturen in das aufgeweichte Leder einzuschneiden. Wei-tere Arbeitsgänge sind nötig, um dem Schnitt Dauer zu verleihen, undeine ganze Reihe Techniken muß der Buchbinder kennen, der einergeschnittenen Einbanddekoration plastische Wirkung verleihen will.Der Grund, von dem sich die Zeichnung abheben soll, muß nieder-gedrückt werden. Das geschieht durch Punzen. Die Perlpunze, mitder ein kleiner Ring neben den anderen in den Grund eingeschlagen
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