Oxforder Bodleiana bei den Einbänden der Inkunabeln die einzelnenDruckländer durch die Einbandfarbe unterschieden. Diese Beeinträch-tigung der Einbandästhetik zugunsten rein praktischer Zwecke istnicht die einzige beim Bibliothekseinband vorkommende. Man mußdazu auch die überwiegende Verwendung dunkler EinbandstofFe rech-nen, die Bevorzugung glatter Überzugpapiere ohne Rücksicht aufderen künstlerische Ausführung, die Verwendung des Rückentitelsvom Umschlag zum Aufkleben auf den Einbandrücken (was allerdingsin geschmackvoller Anpassung geschehen kann und ebenso berechtigtist wie das Mitbinden der Originalumschläge, worauf der Bibliophileoft übertriebenen Wert legt), die Verwendung weißer Schildchen zumAufschreiben des Titels und endlich die Notwendigkeit, den Einbandnoch durch eine Signatur (Standnummer) zu verunschönen. In man-chen großen Bibliotheken hat man aus solch ästhetischen Rücksichtenund wohl auch der größeren Dauerhaftigkeit wegen die Signatur inGold auf den Rücken gedruckt oder auf ein kleines aufzuklebendesLederschild; wo umfangreiche Fachbezeichnungen nötig sind, ist die-ser Weg kaum gangbar; man verwendet farbige Schildchen, die zu-dem nicht einmal an einer einheitlichen Stelle (in Rücksicht auf dieverschiedene Buchhöhe und -stärke) angebracht werden können, wo-bei in Form und Farbe wieder, besonders bei Handbibliotheken, in-haltliche Zusammengehörigkeiten angedeutet werden können. Wo derEinband vor solcher Verunstaltung bewahrt bleiben soll oder die Si-gnatur vorübergehend ist, hilft man sich durch Papierstreifen, die ausdem Oberschnitt herausragen oder innen an den Hinterdeckel an-geklebt sind. Für ausgesprochen schöne Einbände verbietet die In-struktion der Bodleiana das Aufkleben einer Signatur. Leider ist dar-auf bisher in den öffentlichen Bibliotheken noch wenig geachtet wor-den; das Ablösen alter Signaturen verursacht aber oft unschöne Was-serflecken.
Es gibt seit kurzem eine zweckbestimmte Buchform, die sich in dieEinbandgrundsätze öffentlicher Bibliotheken nicht recht einfügen las-sen will und doch auch die Beachtung des Buchbinders fordert: dasLoseblattbuch. Die buchbinderische Aufgabe dabei lautet: Einzelblätterso zu einem Band zu vereinigen, daß an beliebiger Stelle ohne größereSchwierigkeiten neue Blätter eingefügt werden können. Das ist in der
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