oft in die des Buchbinders weiter geht, als es sinngemäß wäre. DerGedanke, ein frischgedrucktes Buch mit einer vorläufigen Hülle zuversehen, ein heute fast ausnahmslos geübter Brauch, kam in derFrühzeit der Druckkunst nur selten zur Ausführung, soweit die zu-fällige Erhaltung einiger solcher Originalbroschuren Schlüsse zuläßt;denn was bis heute nicht untergegangen ist, sind eben die buchbinde-risch vollendeten Exemplare. Immerhin gibt es aus den letzten Jahr-zehnten des 15. Jahrhunderts einige Umschläge, die sogar mit Holz-schnitten künstlerisch geschmückt waren; und erst vor kurzem ist inBamberg das älteste derartige Stück entdeckt worden. Es ist ein Augs-burger Druck von H. Schönsperger vom Jahre 1482; auch das nächstebekannte Beispiel ist ein Erzeugnis des gleichen Druckers vom Jahrei486. (Max Müller in der Festschrift für Gg. Leidinger, im übrigenist Leo Baer, Mit Holzschnitten verzierte Buchumschläge, Frankfurt1923, zu vergleichen.) Im 16. Jahrhundert liefert Italien einige Beispieleder Verlegerbroschur mit reichen figürlichen und ornamentalen Holz-schnitten. Im allgemeinen aber blieben solche Broschurumschlägeschmucklos („couvertures muettes"), bis Pierre Didot um 1800 denAufdruck des Titels einführte; Dekoration und Reklametexte fandensich bald dazu. Aber erst Ende des 19. Jahrhunderts bürgerte sich dieBroschur mit mehrfarbigem, plakatartig wirkendem Umschlag ein.Diese Art der Broschur, die dadurch etwas von ihrem vorläufigenCharakter verloren hat, daß sie allzu häufig bei der großen Literatur-gruppe, welche von dieser Einbandform den Namen „Broschüre" er-halten hat, die endgültige Einbandform bleibt, unterscheidet sich ziem-lich klar von derjenigen, die „Interimsband" genannt wird. Solche aus-drückliche Betonung des Unfertigen deutet an, daß ein in dieser Formausgeliefertes Buch seine Bestimmung erst erreicht, wenn es nochmalsden Händen des Buchbinders anvertraut wird. Da es sich dabei faststets um wertvolle Drucke handelt, deren Schönheit erst im schönenGewand zur vollen Geltung kommt, ist der dem Buchblock gewährteSchutz stärker als bei der bloßen Broschur: eine ganze Decke vonPappe ist um die Blätter gelegt und ein Vorsatzblatt fest daran geklebt,der Buchblock womöglich auf Band geheftet; aber auch auf das spä-tere Binden ist Rücksicht genommen, indem kein Leim an den Rückengeschmiert ist, keine Beschneidemaschine die breiten Ränder verkürzthat, nur um das Lesen auch vor dem Binden zu ermöglichen. Die
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