Bemalung, wertvoll schon an sich, schön auch ohne nachträglich an-gebrachten Schmuck — solches Material muß beim Bucheinband stetsallen anderen Bezugsstoffen überlegen sein. Verständlich also, daßlange Zeit der Bibliophile, ja der Gelehrte und der Bibüothekar einBuch, das nicht mindestens in Halbleder gebunden war, kaum für be-trächtlich hielten, daß immer und immer wieder die Einbandkünstleraus diesem einen Stoff neue Wirkungen hervorzaubern.Die vielen Gestalten, in denen dieser eine Stoff auftritt, sichtbar schonin den vielen Namen, erklären sich aus Herkunft, Zubereitung, buch-binderischer Verarbeitung und deren langer Geschichte. Nur von einemLederband zu reden ist deshalb bei weitem nicht so eindeutig wie etwaschon die Bezeichnung „Leinenband"; dem Wert entsprechend mußauch die Differenzierung der Bezeichnung fortschreiten; Kleinigkeitenkönnen hier für materielle und künstlerische Bewertung von größtemEinfluß sein. Eine Zusammenfassung des Einschlägigen gibt LudwigJablonski, „Das Leder, seine Herstellung undBeurteilung", Berüni 93 o.Das Leder entsteht aus der tierischen Haut durch Gerbung, wodurchdie Fäulnis verhindert wird; wie und womit gegerbt worden ist, kannman oft erst beurteilen, wenn sich Zeichen von Verfall einstellen.Lohgares und alaungares Leder unterscheiden sich durch die Farbe;während Lohe dem Leder einen natürlichen Farbton läßt, der dannmit dauerhaften Farbstoffen auf alle beliebigen Nuancen gefärbt wer-den kann (die sicherste Grundlage dazu ist Sumachgerbung), erzieltman mit Alaun (daher „Weißgerbung") ein fast weißes Leder, das wirfast ausschließlich bei Schweinslederbänden in früheren Zeiten undheute noch (z. B. bevorzugt es Franz Weisse in Hamburg) finden.Vegetabilisch gegerbte Leder sind dauerhafter als mineralisch gegerbte.An der Gerbung hegt es, wenn Ledereinbände brüchig werden undin rotes Pulver zerfallen.
Am fertigen Einband ist nur die Oberfläche des Leders zu sehen. Daserschwert zwar die Bestimmung, aber das hauptsächlichste Kenn-zeichen ist nicht verborgen: die Narbe (der Buchbinder pflegt „derNarben" ohne ein anderes Recht als das einer herkömmlichen Fach-sprache zu sagen). Die natürliche Narbe, die kleinen Fältchen der Tier-haut, die durch eine besondere Behandlung, das „Krispein", mit demLevantierholz, noch herausgearbeitet und fixiert werden, weisen beiden einzelnen Tieren verschiedene Zeichnung auf. Die schönste und
109