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Einführung in die Einbandkunde
Entstehung
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kann. Dieser Aufstieg des Pappbandes, der sich ganz eindeutig ver-folgen läßt, wenn man die mit Holzschnitten versehenen Verlags-broschuren der Frühdruckzeit als eine nicht in diese Reihe gehörigeBesonderheit betrachtet, vollzieht sich gleichzeitig mit dem Nieder-gang des aus Geweben hergestellten Einbandes, der mit einer Periodedes Prachtbandes aus dem Mittelalter bis ins 19.Jahrhundert gelangt,als Leinenband aber sich zur Geschmacklosigkeit und Nützlichkeitwendet, um erst durch die Bemühungen der Verleger zum geschmack-lich einwandfreien Kleid des Buches für den Gebildeten erhoben zuwerden. Der Vorzug der Gewebe, billiger zu sein als Leder, dauer-hafter als Papier, die Möglichkeit, sie zu Nachahmungen kostbarererEinbandstoffe zu verwenden, sie mit Schmuckmethoden aller Art zubehandeln, hat diesem Einbandstoff eine stets noch wachsende Ver-breitung verschafft.

Seide und Samt sind die hauptsächlichsten Stoffe für Prachtbände dieserArt; erstere meist als Grundlage für Stickereien, letzterer entweder be-stickt oder mit kunstvollen Beschlägen geziert. Für Einbände letzt-genannter Art, für Gesangbücher u. ä., ist Samt auch heute noch be-liebt; er war es ebenso im 15 .Jahrhundert für die Stundenbücher wieim 16. bis 18. für vielgebrauchte Bücher größeren Formates (sie sehenheute meist recht abgeschabt aus), wie in dieser und der folgendenZeit für Widmungsexemplare.

Die heute und seit Beginn des 19. Jahrhunderts übüchen Gewebe,diesich Leinwand nennen, sind englischer Abkunft, wie manche Namennoch erkennen lassen, sind aber zum großen Teil, vor allem was alsKaliko geht, Baumwollengewebe. Kaliko ist ein so stark appretiertesGewebe, daß der Faden erst sichtbar wird, wenn nach vielem Gebrauchdie Füllstoffe abgesprungen sind. Meist zeigt Kaliko eine imitierendeMusterung (Chagrin, lange Narbe, Seidenpressung oder Phantasie-narben); von anderen Stoffen ist er leicht zu unterscheiden, da er beiBefeuchten klebrig wird und die Appretur sich lösen kann. Er ist abereine gute Grundlage für Golddruck; das an sich schwache Gewebekann freilich einer starken Beanspruchung nicht lange standhalten.Die seinerzeit sehr beliebte Musterung der Appretur weicht jetzt auchbeim Masseneinband dem Verständnis für die Schönheit echten Ma-terials.

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