Hauptgefahrenstellen am Kopf und Schwanz durch Pergamentstreifenverstärkt werden — ein wesentliches Schmuckelement an dem dochsonst nüchternen Einband, so daß ein Kaschieren dieser Hilfseinrich-tung geradezu ein Fehler wäre. Ein gut Teil unserer klassischen Lite-ratur ist in Einbänden dieser Art erhalten, da natürlich die kleinerenFormate beim Pappband bevorzugt waren.
Pappbände zu datieren erfordert genaue Kenntnis der verwendetenÜberzugspapiere. Das Übliche, besonders im 18. Jahrhundert, sindeinfarbige Papiere meist grauer und blauer Tönungen. GemustertePapiere sind als Deckelbezug bei Halbbänden häufiger als bei Ganz-pappbänden. Diese Papiere hat sich früher der Buchbinder ebenso wiedie Vorsatzpapiere und den Schnitt selbst gemustert; das Marmorierenauf Schleimgrund als das älteste Verfahren stammt aus dem Orient,verbreitete sich inEuropa im 17. Jahrhundert; freieren künstlerischenEntwurf gestattete das Verfahren des Färbens auf Kleistergrund; dannkamen die Druckverfahren von Walze und lithographischer Platte da-zu; endlich hat das Tunk- und das Spritzverfahren neue Gestaltungs-mittel für Hand- und Maschinenfärbung gebracht. Die Maschine istfreilich auch zur Herstellung von Überzugpapieren mißbraucht wor-den, die irgendwelche andere Stoffe vortäuschen sollten, z. B. Leder-narbe (Chagrinpapier), Lederpressung (gaufriertes Papier), Gewebe(Brokatpapier, Moirepapier, Tuchpapier, Leinwandimitation, Derma-toidpapier — eine doppelte Imitation! — u. ä.). Unter diesen beson-deren Papieren hat das Brokatpapier schon eine lange Vergangenheit;es wurde seit dem 17. Jahrhundert in vielgestaltigen Mustern vor allemin Augsburg im Großbetrieb hergestellt und weithin exportiert. Eshat nicht nur als Vorsatzpapier vielseitige Verwendung gefunden, son-dern auch als Umschlag für Broschüren, z. B. für die vielen kleinenPersonalschriften, die auf solche Weise ein prunkvolleres, der Modeentsprechendes Äußere erhielten.
Dem Pappband, auch wenn er mit den geschmackvollsten Buntpapie-ren hergestellt ist, steht die Nützlichkeit auf dem Gesicht geschrieben.Daß er — nicht durch die auf solchem Grund unpassende Vergol-dung, sondern durch Farbe und Verarbeitung — auch schön seinkann, ist eine in neuester Zeit, nicht zuletzt durch die mustergültigenLeistungen deutscher Kunstbuchbinder, sich verbreitende Erkenntnis,welche den Wünschen des Bücherliebhabers sehr entgegenkommen
106
§»©§?