Druckschrift 
Einführung in die Einbandkunde
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen
 

H

anderer Stoffe wurde der Versuch gemacht, diesen Umschlägengrößere Festigkeit zu verleihen; ja, es finden sich auch Beispieledafür, daß solchePappdeckel" mit Leder richtig überzogen wurden;wie einst bei den aus Papyrusblättern zusammengeklebten koptischenEinbanddeckeln. Daneben hat sich aber der Holzdeckel noch langegehalten, besonders auf deutschem Gebiet. Der deutsche Einband des16. Jahrhunderts verwendet überwiegend noch Holzdeckel, auchfür die kleinen Formate, bei denen allerdings die Stärke auf ein Mi-nimum reduziert wird. Die Art der Behandlung des Holzes an denKanten wird noch bei näherer Untersuchung zur Feststellung vonbestimmten Werkstätten verhelfen können. Die Abschrägung derharten Kanten setzte am Rücken ein, wo der Übergang von der Run-dung auf die Fläche zunächst dazu aufforderte. Dann wurden dieAußenkanten abgerundet oder abgeschrägt. Die Abschrägung derKanten nach innen ist mehr eine Eigentümlichkeit des 16. Jahrhun-derts. In bestimmten Werkstätten wurden die Kanten auch nur stel-lenweise abgeschrägt unter Übergehung der Ecken, wo zunächstschützende Schienen der äußere Anlaß waren, und der Schließen;ja auch aus reinen Ziermotiven heraus.

Durch solche Behandlung verloren diese Einbände wenigstens etwasvon der in dem schweren Material liegenden Wucht, ohne an Festig-keit einzubüßen. Ganz aufgegeben wurde Holz als Deckelmaterialnie, auch in der modernen Buchbinderei findet es wieder Verwendung,sei es für besonders stark beanspruchte Einbände, sei es als ohneSchmuck sprechendes Material beim künstlerischen Einband (Sperr-holz). Seit der Renaissance ist die Pappe das bevorzugte Deckelmaterialgeworden. An der Einführung sollen die Italiener, beeinflußt vomorientalischen Einband, hauptsächlich durch die kleinen Aldinen,einen beträchtlichen Anteil haben. Doch darf man diesen Einflußnicht überschätzen. Die Verwendung geformter Pappe mag aus demSüden übernommen sein. Geklebte Pappe aber gehört zu den Din-gen, deren Herstellung findigen Köpfen überall gelingt. Daß durchAufeinanderkleben mehrerer Lagen Papiers ein widerstandsfähigerDeckel entstehen könnte, hatten die Buchbinder auch auf deutschemBoden schon in Erfahrung gebracht, ehe die geformte Pappe er-funden und bekannt war;aiz de papier" sind im 15. Jahrhundertin Frankreich schon geläufig. Geklebte Pappe, die Fundgrube hand-

. * : wm I ü ..