Druckschrift 
Einführung in die Einbandkunde
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

E£ SSä .'',;. : n fflSSagk

üjtmm

n

Spiel zu verwandeln, so wenn die Titel auf dem Rücken zusammen-gehöriger Bände treppenförmig angeordnet werden, wenn der Titelüber mehrere Bände fortlaufend zu lesen ist (eine schon im 16. Jahr-hundert viel geübte und heute beim künstlerischen Einband ausdekorativem Streben wieder auftauchende Mode), wobei jederFehler in der Reihenfolge der aufgestellten Bände sofort auffällt;so endlich, wenn verschiedene Farben dem Gedächtnis zu Hilfekommen. Letztere Lösung ist in einer andern, rein ästhetischen Fragewichtig als eine Form, zusammengehörige Bände, ohne sie zu uni-formieren, so zu gestalten, daß sie als Einheit erscheinen. LangeReihen von Zeitschriften, ganz einheitlich gebunden, entsprechenzwar den Forderungen, die man allgemein und vor allem in öffent-lichen Bibliotheken an solche Serien stellt, bedürften aber bei ge-schmackvoller Gestaltung einiger Abwechslung.Neben dem TiteMruek gehört auch das Aufschreiben des Titels zu denAufgaben des Buchbinders. Nach dem Kriege sind die weißen Titel-schilder, in den Gelehrtenbibliotheken stets zu Hause, auch in denöffentlichen Bibliotheken wieder sehr zu Ehren gekommen. Hierkommt es sehr auf dauerhaftes Papier, auf gute Tusche und vor allemdeutliche Schrift an. Vor der Zeit des Titeldruckes waren geschrie-bene Titel fast die einzige Möglichkeit des Rückentitels. Zur Meister-schaft wurden die geschriebenen Titel im 17.18. Jahrhundert aufdenHornbänden" geführt, jenen glatten, hellen Pergamenteinbän-den, die einen Titeldruck nur schlecht vertragen (wenn auch dereigene Reiz von Gold auf Pergament nicht verkannt werden soll).Diese Einbände, typische Gebrauchsbände, tragen fast durchweg aufdem Rücken in kunstvollen Schriften den Titel, und nicht wenigedavon haben sich weit besser als Lederbände mit Goldtitel gehalten,ja strahlen nach dem Abwaschen heute in neuem Glänze. Auch aufHalbpergamentbände wurde dieser Brauch, und nicht von denschlechtesten Bibliophilen, ausgedehnt.

Auf den Rücken des broschierten Buches ist der Titel meist in Buch-druck (in einem Arbeitsgang mit dem ganzen Umschlag) aufgedruckt.Oft läßt sich dieser Titel ablösen und auch auf den Handeinbandaufkleben, wodurch das Aufschreiben erspart wird. Der Bibliophile,der von der Originalform des Buches möglichst viel erhalten willund deshalb schon die Umschläge einheften läßt, kann auf diese

36