künde an eine möglichst vielseitige Überschau des auf dem Gebietdes Bucheinbandes Bekannten gegangen wird, so ist es auch in-sofern ein Anfang, als derartige Versuche bisher noch unterbliebensind; und deshalb möge der erste Versuch als solcher gewertetwerden.
Ich habe mir also weder vorgenommen, den zahlreich vorhandenenLehrbüchern der Buchbinderei ein neues, noch den Darstellungenihrer Geschichte ein weiteres hinzuzufügen. Vielmehr sollen diefolgenden Seiten versuchen, einen Begriff davon zu geben, wasalles zur richtigen Beurteilung eines Einbandes gehört; und siesollen die wichtigsten dazu nötigen Kenntnisse vermitteln. Siesollen, die wichtigsten Erscheinungsformen des Bucheinbandes be-rücksichtigend, an den einzelnen Teilen des Einbandes den Blickfür die Beurteilung des Ganzen schärfen, sollen den geschmücktenEinband nicht so sehr in historischem Zusammenhang zeigen, son-dern gerade in einer Anordnung, die die historische Zuweisung er-möglichen kann. In diesem Willen ist die Einbandkunde eine ganzauf die Praxis gerichtete Wissenschaft, auf die Praxis der Tausende,die lernen wollen, selbständig einen Einband zu betrachten, zu be-schreiben, zu kritisieren.
Es wird sich zeigen, daß bei solcher ganz auf die Praxis bedachterDarstellungsweise auch die Schönheit des Bucheinbandes zu demihr gebührenden Recht kommt. Als vor über 220 Jahren der erstedeutsche Theoretiker des Bucheinbandes, Johann Gottfried Zeidler,seine „Buchbinder-Philosophie", eine ins Wissenschaftliche geho-bene Darstellung der buchbinderischen Technik, schrieb, lag dieseSchönheit wohl in dem Wort „Kunst", mit dem das Handwerkbezeichnet wurde, beschlossen; sonst fehlt nichts an seiner Definitionder Buchbinderei, um sie auch heute noch gelten zu lassen. Nachdieser alten Definition ist die Buchbinderei „eine Kunst, welchedurch mancherley Arbeit und aus mancherley Materien gedruckteoder geschriebene Bücher und Papiere einfasset, Schale oder Futteralu. d. gl. verfertiget, damit selbige bequemer zu gebrauchen sind,und vor der Abnützung besser verwahret seyn."Aber wenn Zeidler, ein theologisch geschulter Gelehrter, der vieleBerufe kennen gelernt, in keinem recht festen Fuß gefaßt hatte,diese Bestimmung des Inhaltes der Buchbindekunst niederschrieb,