Druckschrift 
Einführung in die Einbandkunde
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

gen seiner eigenen Zeit erklärt werde, daß das Gesamtgebiet deshistorischen Einbandes stets als die Auswirkung der allgemeinenbuchbinderischen Gestaltungsgesetze verstanden werde. Nach Lageder Einbandforschung und im Rahmen einer einführenden Schriftist es nicht ratsam, allzusehr in die historischen Einzelheiten zugehen; wie mangelhaft unser heutiges Wissen für eine solche Dar-stellung noch ist, werden die einschlägigen Stellen dieses Bucheslehren. Es wird deshalb auch ein so in sich abgeschlossenes Gebiet,wie das des orientalischen Einbandes nur so weit berücksichtigtwerden, als es für die abendländische Entwicklung von Bedeutunggeworden ist.

Der Einband ist das Kleid des Buches. Er soll ihm, nach einemtreifenden Wort G. A. E. Bogengs, Haltung verleihen wie die Klei-dung dem Menschen. Vor allem aber soll er Schutz sein unddarin hegt wohl die Hauptwahrheit des Vergleiches, der in diesemSinne auch von Abraham a Sancta Clara schon gebraucht wird,wenn erein geheftetes und beschnittenes, aber noch unüberzogenesBuch einem Menschen im Hembde ohne Rock und Hosen" ver-gleicht. Daß der Vergleich aber auch pflichtgemäß hinkt, lehrt außerder Überlegung, daß ein Buch ohne seinKleid" nie seine volleSchönheit zeigen kann, auch die für den Einband unumgängliche,weil mit ihm wesensverbundene Forderung, daß er untrennbar mitdem Buch vereinigt wird. Wenn wir heute achtlos vonEinband"reden, denken wir nicht mehr daran, daß schon im Wort zutiefstdiese enge Vereinigung ausgedrückt ist. So eng ist diese Verbunden-heit, daß wir uns unter demBuch" oder demBand" (fast gleich-bedeutend) beinahe ausnahmslos ein gebundenes Buch vorstellenund daß noch weniger, wenn von einem Einband die Rede ist, aneinen Einband ohne Buchinhalt gedacht wird. Und das ist nichteinmal verwunderüch; denn buchbinderisch gesprochen ist der Be-griffEinband" mit der Bezeichnung der äußeren, den Buchblockschützenden Teile längst nicht erschöpft. Die ursprünglichste undwichtigste Tätigkeit des Buchbinders ist vielmehr dasZusammen-binden" der einzelnen Bogen seit je gewesen und wird es bleiben.Was wir aber gemeinhinEinband" nennen, ist nur ein Teil derbuchbinderischen Leistung, die Buchdecke, und oft genug begegnet

5