Kunst, Leben und Industrie.
(Man vergleiche hierzu den Anhang (S. 66f.) und in demselben namentlich denAbschnitt IS.)
Wenn man von Düsseldorf als Kunststadt spricht, so denktman dabei zunächst an die Düsseldorfer Malersehule, undzwar an die Malerschule, wie sich dieselbe seit Peter vonCornelius entwickelt hat. Neben ihr hat eine DüsseldorferBildhauerkunst zu einer ebenbürtigen Stellung sich nicht empor-geschwungen, so Bedeutendes auch im Einzelnen geleistet wordensein mag, und die Baukunst beginnt erst in der allerneuestenZeit, die Stadt mit Bauwerken auszustatten, welche Auge undGeist voll befriedigen. Was vor Cornelius liegt, gehört fastvöllig der Geschichte an, und die Gegenwart hat kaum einebewusste Fühlung damit.
Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass das eine oder andereKunstdenkmal in das Mittelalter hinaufreicht (St. Lambertus-kirche und Einzelwerke in derselben), dass Hans Holbeinin Düsseldorf das Bildniss der unglücklichen Prinzessin Anna,späteren Gemahlin des englischen Königs Heinrich VIIL, malte.Auch Düsseldorfer Namen erscheinen im 17. Jahrhundert mehr-fach unter den Künstlern (Spielberg, Breckvelt). Aber sieverschwanden, als die berühmten und stolzen Niederländer undItaliener einzogen, und die Gemäldegallerie Johann Wilhelm'sin Düsseldorf immer mehr Sinn und Bewunderung weckte undihm weithin den Euf einer Künstlerstadt gab. Selbst des Kur-fürsten Karl Theodor Malerakademie vermochte keineDüsseldorfer Schule zu schaffen; das war aber auch nicht soleicht, als Lust und guter Wille es scheinen lassen mochten.Es herrschte der sogenannte Zopfstil; man mag über ihn ur-theilen und ihn schmähen, wie man will, er war gleich seinenVorgängern ein organisches Gewächs, und ein Gewächs hatLeben in sich und hat ein Kecht zu leben. Und da kam nunder kalte marmorherzige Classicismus und sollte eine Foliebilden für den Cäsar in der blutigen Toga. Die Kembrandts