Am 21. December 1895 wurde in dem nahenGrav-Rheindorf spontan ein Hemicephalus geboren, derwegen dieser merkwürdigen Missbildung von der be-treffenden Hebamme der hiesigen Königliehen Universi-tätsklinik übersandt wurde. Kaum 14 Tage späterschickte Herr Dr. Herzfeld in Ruppichteroth an HerrnGeheimrat Professor Dr. Fritsch einen Foetus, wel-cher eine ähnliche Missbildung zeigte. Auf meine Bittewurden mir beide Fälle zur näheren Untersuchung zurVerfügung gestellt.
Da ich Gelegenheit hatte im Falle I bei der Mutterund der Hebamme die Anamnese und Geburtsgeschichtefestzustellen, im Falle II Herr Dr. Herzfeld dieFreundlichkeit hatte, mir den Geburtsverlauf näher mit-zuteilen, sei es mir gestattet, der eigentlichen Beschrei-bung, die Anamnesen und Geburtsgeschichten voran-zuschicken.
Fall I. Anamnese.
Die Mutter des Kindes, Fr. H., ist 33 Jahre alt,V para, will aus gesunder Familie stammen und stetsgesund gewesen sein. Die erste Menstruation trat mitdem 12. Lebensjahre ein und war immer regelmässigmit reichlichem Blutabgang. Die vier ersten Schwanger-schaften verliefen normal, ebenso die Geburten. Beimdritten Wochenbett litt Wöchnerin an starken Schmerzenin der Kreuzbeingegend. Daraufhin wurde sie von HerrnProf. Kruckenberg in Bonn längere Zeit angeblichmit Kochsalzausspülungen behandelt. Nach drei Monaten