414 A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.
eine kleine Ministerialität'), Hofämter waren nicht vorhanden, diese haterst König Rudolf auf Bitten des Klosters verliehen 2 ), nachdem dieserKönig zuerst den Abt als Reichsfürsten, das Kloster als Reichsfürstentumbezeichnet hatte, wiewohl das Kloster sehr oft war vom Reiche ent-fremdet worden und auch die reichsfürstliche Würde nicht behauptenkonnte 3 ). Ueber den Geburtsstand der Mönche enthält der Codex tra-ditionem so gut wie keine Auskunft 4 ); zwei Urkunden von 1257 zählen12 bzw. 13 Mönche auf (S. 132), davon erkenne ich den Ufhovrare alsMinisterialen von Tegernsee, den Secheringare als einen von Benedikt-beuren selbst.
Wessobrunn (955 wiederhergestellt, 1161 von Hirsauern besetzt)hatte nur eine sehr kleine Ministerialität; obwohl der Codex traditionumvon ca. 1050 bis ca. 1240 5 ) nicht arm an Dokumenten ist, fand ich nurzweimal Ministerialen erwähnt 6 ). Die „familia" von Wessobrunn wurdevertragsmässig 1260 der von Benediktbeuren gleichgestellt (S. 400). Ueberdie Standesverhältnisse bietet der Kodex nur eine Angabe 7 ), 1220 waren imKloster sieben Priester, zwei Diakone, zwei Subdiakone, von denen ichmehrere als Nachkommen von Dienstmannen, keinen als Edlen erkenne.
Während das 1130 begründete Augustinerchorherrenstift Herren-chiemsee und das 1215 daran angelehnte Bistum Chiemsee keineMinisterialen hatten, finden sich solche bei dem um 900 gegründetenFrauenkloster Frauenchiemsee, das die Ungarnkatastrophe besserüberstand als Herrenchiemsee.
Nach einer erzbischöflich salzburgischen Urkunde von 1201 hatdas Kloster, das 1062 an Salzburg gekommen war, 1077 aber die per-
: ) Zuerst erwähnt schon vor 1116, S. 46; dann S. 47 f., 51 ff. bis58 u. s. w. Ich stellte 17 Geschlechter zusammen, denen dann nochMaler, ja Handwerker zuzuzählen sind. Vgl. auch M. B. 7, S. 121.Zahn, ÜB. Steyermark 1, Nr. 714 ca. 1190. Reg. Boica 2, S. 294.
2 ) M. G. Dip. Const. reg. 3, S. 173. M. B. 7, S. 143. Böhmer-Redlich, Nr. 929. 1278. „quod cum ipsi officiatorum sui monasteriiprincipatui congruentium paterentur defectum."
3 ) Vgl. darüber Ficker, Reichsfürstenstand 1, S. 336.
*) Die Stelle über den Priestersohn (S. 40) ist verschiedener Aus-legung fähig. Hohenrain (S. 78) ist Ministeriale des Grafen von Vallei.
5 ) Monumenta Boica 7, 1, S. 337—371. Famuli im BerchtesgadenerTraditionsbuch, Quellen und Erörterungen 1, S. 275.
6 ) S. 357. „Heinricus de Grute ministerialis W." S. 363. „Mini-steriales sancti Petri: Richilingen, Grute, Hovinstetin."
') S. 365. Eine Tochter des Edlen Wernhard von Horpach war indem zugehörigen Frauenkloster.