Druckschrift 
[Hauptbd.] (1910)
Entstehung
Seite
351
Einzelbild herunterladen
 

Exkurs VIII. Die Bischöfe ministerialischer Geburt.

351

Halberstadt: 1366 Albert III. von Rickmersdorf in öster-reichischen Diensten aus niederem Adel stammend. Vom Papste pro-vidiert. Schon 1324 war in zwiespältiger Wahl Ludwig v. Neindorf, ausniederem Adel, gewählt worden, er trat aber seinem Gegner gegenüberzurück.

Münster: 1381 Heidenreich Wolf von Lüdinghausen, aus Stifts-ministerialität, ein sehr tüchtiger Mann.

Minden: 1398 Wilhelm von Büschen, ward von der Kurie aufBitten des Kapitels providiert, dessen Propst er war.

Lüttich: 1418 wurde vom Papste auf des Kaisers Wunsch dessenVertrauensmann Johann v. Wallenrode ernannt. 1302 wählte übrigensdas Domkapitel bereits in schwieriger Lage den Magister Wilhelm ausArras, doch schlug er die Bischofswürde aus. Ein Jahrzehnt später tratein Teil des Kapitels für Wilhelm von Julemont ein, aber dieser An-gehörige des niederen Adels war nicht formell erwählt. Es kamen zurInthronisation, mit Ausnahme Wallenrodes, nur Männer, die dem hohenAdel als ebenbürtig galten.

Was nun die Zahl von Bischöfen nichtedelfreier Geburt, die seitdem Wormser Konkordat die Mitra des Diözesanbischofes erreicht haben,anbelangt, so hatten die geringste Zahl das Bistum Lüttich, nur ein-mal war durch Einvernehmen von Papst und Kaiser hier ein Nichtedlerbestellt worden; folgt Münster, wo das Domkapitel nur einmal einenStiftsministerialen erhob; der Böhme Johann IL, Potho von Pothensteinwar durch päpstliche Provision unter die Münsterländer geraten, derenDialekt er nicht verstand; Paderborn, wohin durch päpstliche Pro-vision ein Stiftsministeriale und ein welscher Kuriale gelangten, der esaber nicht einen Monat an den Paderquellen aushielt, und Strassburg,dessen hochadliges Domkapitel sich zweimal ihm nicht ebenbürtige Bi-schöfe gefallen Hess, die päpstliche Gnadenbriefe vorwiesen. Es folgenabermals vier sächsische Bistümer: in Halberstadt wurden drei Dienst-mannen erkoren, in Minden wurden zweimal Bürgerliche von der Kurieprovidiert (1267 u. 1353), einem Ministerialen geschah das gleiche aufWunsch des Kapitels. In Osnabrück gelangten 3 Ministerialen durchdas Kapitel zur Bischofswürde, 1 Bürgerlicher ward providiert. In Hildes-heim finden wir 4 erwählte Dienstmannen und 1 providierten Bürger-lichen. In Utrecht finden sich 6 Bischöfe niederer Geburt, aber nur 1konnte in unbestrittenen Besitz gelangen. Es folgen die beiden Nachbar-bistümer Würz bürg und Bamberg mit je 10 Bischöfen dienstmännischerAbstammung und je 1 unbekannter Herkunft; diese adligen Domkapitelhaben Bürgerliche nicht erhoben. Zwei eigenartige Bistümer: Chur undVerden folgen; das rhätische Bistum geriet 1392 in Abhängigkeit vonden österreichischen Herzogen, die nun Kanzleibeamte dort unterbrachten;