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[Hauptbd.] (1910)
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Exkurs II. Sanierte Missheiraten.

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Reiches. Der Freiherr Stephan von Grundelfingen hatte Anna, die Tochterdes Hans Truchsess von Waldburg (Nr. 40) geheiratet; auch damals nochgalt eine Sanierung durch einen so schwachen König wie Ruprecht fürerwünscht, der Form nach gar für notwendig, sie erfolgte mit Rücksichtauf die vier weiblichen Vorfahren, welche alle Gräfinnen waren l ).

Wir haben also acht Fälle eines klaren Nobilitierungs- bezw.Sanierungsaktes, in zwei weiteren Fällen bezieht er sich nur auf einenTeil der Nachkommenschaft.

In 10 Fällen waren sicher oder wahrscheinlich die Ehen kinderlos(Nr. 3. 6. 27. 28. 3033. 37. 63), als nicht ebenbürtig sind die Nach-kommen von 17. 67. 69. 71 nachweisbar. Das sind von den 74 Fällenallerdings nur 24!

Einer ist besonders interessant: Die oben erwähnte Ehe Bruchsal-Bolanden (Nr. 17) hatte eine sehr eigentümliche Wirkung. Die Enkelführten nicht mehr den Namen und das Wappen des Grossvaters, sondernder Grossmutter. 1356 erscheinen z. B.Philips und Oonrat gebrfiderzu Bonlanden, ir vatder her Otte selig genant von Bruchsal" 2 ). Siewaren so mit dem Erbe der Mutter verwachsen, dass man sie bisher fürBolanden, nicht für Bruchsaler ansah. AlsFreie" oderEdle" werdendiese Bruchsaler aber nicht mehr bezeichnet.

Die geringe Zahl von Nobilitierungsakten darf uns nicht irre machen.Einmal wiederhole ich, dass Urkunden verloren gegangen sein können,dann aber mag mitunter die Erhebung gar nicht beurkundet worden sein.Vor allem aber sollte man meinen, dass das am stärksten an solchenEhen beteiligte Haus Bolanden den Freien sich genähert habe. Abernach 1300 sinken die Bruchsaler durch eine bolandensche Ehe in die Un-freiheit, und noch 1331 sanierten der Kaiser und die Kurfürsten eine an-dere bolandensche Ehe. Jedenfalls kann ich v. Dungern nicht bei-stimmen, der dieformelle Freiung" schon für die ganze Zeit als nichterforderlich bezeichnet.

Doch sehen wir uns auch die sonstigen Nobilitierungen von Mini-sterialen an: bei der ersten, der Marquards von Anweiler (1195), lagenzweifellos politische Gründe vor, er sollte den italienischen Grossen nichtnachstehen. Zeitlich in weitem Zwischenräume folgt 1330 Hartmut vonKronberg, der später eine Isenburgerin, dann eine Nassauerin heiratete.Direkt um den ministerialischen Erben eines alten Grafengeschlechtes(ßuchegg) handelt es sich bei Burkhard Senn, der 1360 von Karl IV. zum

') Druck im Jahrbuch des Adler, N. F. 6, S. 409 f. Die Erläute-rungen S. 425 fassen die Urkunde völlig falsch an, was v. Dungern inseinem Buche: Grenzen des Fürstenstandes S. 161 ff. richtig gestellt hat.

2 ) Krieger 1 2 , S. 307.

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