Ergebnisse und Ausblicke.
301
Mit solcher Zähigkeit, aber auch mit solcher Kraft hatder alte Adel sich als Stand erhalten! Kein anderes Land hatdiese mittelalterlichen Unterschiede aufrecht erhalten, wederEngland noch Spanien. Unser politisch zerrissenes Vaterlandermöglichte es dem alten Adel, abgesondert zu bleiben.
Im deutschen politischen Leben des Mittelalters haben wirzwei Perioden: in der älteren die Allgewalt des freien Ele-mentes, in der jüngeren dominiert der edelfreie Adel nurnoch als Landesherr. Im kirchlichen Leben dürfen wir zu derCharakteristik der altdeutschen Periode als Merkzeichen hinzu-fügen, dass auch in der Kirche der altfreie Adel herrscht.Speziell werden wir — wenn nicht in romanischen Ländernsich ähnliche Zustände ergeben sollten — von einer altdeutschenForm des Mönchtums reden dürfen, ja müssen.
Ausserhalb des heutigen deutschen Sprachgebietes habenwir nur einzelne Prauenklöster und Frauenstifter feststellenkönnen, die alle in engen Beziehungen zu den germanischenKönigshäusern standen. Auf Grund so weniger und so ein-seitiger Zeugnisse halte ich mich nicht für berechtigt, dasWort: germanisch zu gebrauchen. Die Forschung niüsste erstin Italien, dem alten Gallien und England auch Männerklösternachweisen, die man als freiständisch bezeichnen kann.
Die romanischen Träger des kirchlichen Lebens — Bene-dikt, die Päpste, die Kanonisten — hatten den Unfreien nurdeshalb vom geistlichen Amte wie von der Profess ferngehalten,um nicht in privatrechtliche Streitigkeiten zu kommen, inDeutschland aber wollte mancher Konvent aus Blutesstolzniemanden unter sich dulden, der niederer Geburt war, ausurkräftigem Standesgefühl heraus wies man die Worte derApostel von der evangelischen Gleichheit als undurchführbarab. Jene freiherrlichen Mönchskonvente wie vor allem jenefreiherrlichen Frauenstifte waren altdeutschem Denken undFühlen entsprossen. Die deutsche Kirche des Mittelalters wardeutscher, war eigenartiger, als man bisher annahm. Dieromanischen Landschaften kannten fast gar nicht die militärische