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A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.
eine Adelsherrschaft in den Kapiteln waren: der Papst, dieBischöfe mit den Kapiteln und der deutsche Orden. Mehrnach dem Westen hin gab es unter den Landesherren wenig-stens ein paar Edelfreie, aber keinen Stand von Edelfreien,es fehlte den Domkapiteln eine Dienstmannschaft, und ältereKlöster gab es aus der Zeit der klösterlichen Ministerialitätja überhaupt nicht. In Brandenburg und an einigen anderenOrten kamen die Domkapitel in die Hände des Adels, aberdie Bischöfe waren weit davon entfernt, denen des alten Mutter-landes zu gleichen. ,
In den Landen deutscher Zunge, in denen die traditionelleMacht des Adels heute noch am besten erhalten ist, ist er fastvöllig frei von allem Blute der altfreien Edelgeschlechter. Ander Kolonisation des deutschen Ostens hat der altdeutscheAdel keinen anderen Anteil gehabt, als ihn die wenigenDynastenhäuser dieser Gebiete und einige wenige Prälaten undOrdensritter nahmen! Schon Hermann von Salza war einDienstmann.
In den anderen Ländern Westeuropas ist längst die Er-innerung an den verschiedenen Ursprung des Adels vergessenund völlig bedeutungslos. In unserem Vaterlande aber lebt derDualismus noch heute: es gibt noch immer ein Konnubium,das die regierenden Fürstenhäuser mit den minder glücklichenStandesgenossen zusammenhält, die die französische Revolutionund Napoleon um ihre Herrschaft brachten; diesem Ehe- undErbrechte liegt noch immer der mittelalterliche Gedanke zuGrunde, mag auch längst die Nachkommenschaft von einzelnenDienstmannen, von wenigen Bürgern und Bauern in den hoch-geborenen Kreis als ebenbürtig eingefügt worden sein — dieReuss, Pugger, Thurn und Taxis usw. gehen auf solche Ahnenzurück —, mögen auch noch so viele Missheiraten nachträglichanerkannt worden sein — Baden, Lippe-Biesterfeld — und magvielleicht, ja fast sicher kein Fürstenhaus mehr einen Stamm-baum besitzen, der nicht irgend ein Glied niederen Standesunter den Ahnen aufwiese.