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[Hauptbd.] (1910)
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296
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296 A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.

In männlicher Sukzession aus lauter rechtsgültigen Ehen dürftennicht 100 Geschlechter auf den freien Adel des Mittelalterszurückgehen 1 ). Doch das Blut dieser Familien ging in andereSchichten über. Wir sahen, wie zahlreich die Töchter edelfreierGeschlechter sich mit den Söhnen der nächsthöchsten Schicht,also im Mittelalter mit der dienstmännischen vermählten. In weittiefere Schichten gelangte das Blut durch die Unenthaltsam-keit der Herren; es führt die Geschichte darüber nicht Buch,nur gelegentlich, wenn einer allzusehr die Schicklichkeit bei-seite setzte, liess ein ergrimmter oder mokanter Geschicht-schreiber seiner Feder über solche Dinge freien Lauf. Derfeinsinnige Verfasser der Schrift:de rebus Alsaticis" erzähltvon dem Baseler Bischof Heinrich von Thun, dieser habe20 Knaben ihren Müttern hinterlassen 2 ), und von dem HerzogJohann II. von Cleve heisst es, er habe vor seiner Heirat im

beachtet geblieben, jede Familie ist nach dem ersten Grafendiplom ein-gereiht. Nachkommen minderen Ranges von Fürsten sind nicht gezählt,wenn das fürstliche Geschlecht noch besteht. Etwa ein Dutzend Ge-schlechter wurden im 20. Jahrhundert Grafen, rund 180 im 19. Jahrhundert,rund 260 im 18., rund 120 im 17., 4 im 16., 2 im 15. (Hardegg undLodron). Sehr wenige sind alte Grafen, nicht viel mehr als ein halbesDutzend, eher weniger.

1 ) Die Zahl der noch zum Adel rechnenden Geschlechter, die auslegitimen Ehen auf mittelalterlich edelfreie deutsche Geschlechter zurück-gehen, zu berechnen, ist recht schwer. Sicher ist nur folgendes: DerGothaer Hof kalender enthält in Abteilung 115 Geschlechter regierenderFürsten (also zu "Wettin auch England, Portugal, Bulgarien gerechnet,zu Oldenburg Schleswig-Holstein u. s. w.). Abteilung II enthält nichtmehr wie 17 Geschlechter. Die III. Abteilung wahrscheinlich 4: Dohna,In- u. Knyphausen, Ligne, Rheina-Wölbeck (Lannoy). Aus dem gräflichenTaschenbuch sind höchstens noch 10 dazu zu holen. Bei den Freiherrenund dem niederen Adel wäre eine solche Nachforschung äusserst müh-selig. Aber sollten es wirklich noch mehr als 30 sein? Mit dieser Zifferkämen wir auf 76 Geschlechter. Ich halte die Ziffer für reichlich be-messen, kann mich aber täuschen. "Wären die Wittichschen Ergebnissefür weitere Gegenden zutreffend, würde die Zahl auf höchstens 100 Ge-schlechter anwachsen.

2 ) M. G. SS. 17, S. 232.