Dreiundzwanzigstes Kapitel.
S c h 1 u s s.
Ist das edelfreie Blut untergegangen? Die Bedeutung derErgebnisse für die politische, Kultur- und Kirchengeschichte.
Ist denn mit den alten Geschlechtern auch das Blut derechtesten alten Deutschen, der Führer unseres Volkes in seinerherrlichen Jugendzeit, das Blut der Ursachsen und Urschwabenuntergegangen? Haben in den Ministerialen wohl gar dieNachkommen alter Unfreier die Führung übernommen, dievielleicht gar als Volksfremde geknechtet waren; haben späterdie Schichten der Bauernschaft und des Bürgertums ebenfallsdas „minder gute" Blut emporgebracht? Es dürfte allerdingsrichtig sein, dass die Stammväter der heute führenden Schichtenin den tieferen Stufen der Gesellschaft des Früh- und Hoch-mittelalters zu suchen sind. Aber in dem wechselreichen Empor-steigen und Niedersinken von Familien kann wohl von einerübermächtigen Strömung einer einzelnen Schicht, mit Aus-nahme der Ministerialität, kaum die Rede sein. Tatsache istferner, dass wohl die edelfreien Familien ungemein reduziertsind; man würde sich sehr täuschen, wenn man in den Grafen-oder Freiherrngeschlechtern von heute die Nachkommen männ-lichen Stammes von jenen suchen würde. Der weitaus grössteTeil ist Briefadel, nobilitiert seit dem Ende des 15. Jahrhunderts,vom Reste geht das meiste auf dienstmännischen Adel zurück 1 ).
') Das gräfliche Taschenbuch für 1909 liefert mir folgende Ergeb-nisse einer allerdings sehr hastigen Durchsicht. Die ungarischen, pol-nischen, eingewanderten savoyischen, französischen etc. Grafen sind un-