Das edelfreie Blut. Ergebnisse. Ausblicke.
297
31. Jahre 63 Kinder gezeugt 1 ). Der Anthropologen schweresWerk wird durch solche Angaben deutlich. Dem Historikerwill es unmöglich erscheinen, die Blutmischung genau fest-zustellen. Immerhin scheint das festzustehen, dass das Blutdes alten freien Adels sich doch besser erhielt, als es nachdem Geschick ihrer Geschlechter anfangs den Anschein hat.Dem freien Adel folgte bereits ein grosser Teil der Mini-sterialität wie der städtischen Patriziergeschlechter; auch beidem Untergange dieser Familien hatte bis zur Reformation,in den katholischen Landschaften bis zum Ende des altenReiches der Zölibat mitgewirkt; denn jetzt füllten ihre Söhneund Töchter die Konvente und Kapitel. Auch der protestan-tische Adel wurde reduziert; wo sind die alten Geschlechtervon Magdeburg und Strassburg? Wäre unser Adel nicht durchNobilitierungen immer wieder ergänzt worden, so würde aucher, obgleich langsam, zergehen und zerfliessen. Das Tempodes Niederganges des alten Adels war durch den Anteil ander Kirche wesentlich beschleunigt worden.
Das deutsche Mittelalter war nicht so einheitlich, wie manes sich gewöhnlich vorstellt. Seine früheren Jahrhundertestellen sich dar als die Zeit der scharf aristokratischen Herr-schaft eines nach seiner Geburt streng abgeschlossenen Standes,der die weltlichen Aemter wie die wichtigeren kirchlichen alleinversah. Unter dem Namen „Volk" herrschte er auf den Ver-sammlungen des Reiches, des Hofes, der Herzogtümer, derGaue; in den politischen Versammlungen wie in den Gerichten;die Gemeinfreien mögen in einzelnen Gebieten mit dem Adel,ihren Führern, in den Einfluss sich geteilt haben. In der Kirchegab es ihnen vorbehaltene Klöster und Stifter; fast könnteman geneigt sein, zu glauben, dass diese überhaupt nur Freien
') Nach Pauls in den Beiträgen zur Gesch. des Herzogtums Cleve.Festschrift d. hist. Ver. f. d. Niederrhein (1909), S. 259.