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[Hauptbd.] (1910)
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Freiständische Klöster in der Merowingerzeit.

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Können wir vielleicht noch einige solche vornehme Stifternachweisen? Der vorzügliche Kenner der Merowingerzeit,Wilhelm Levison, möchte zunächst an Chelles (an der Marnebei Lagny) a ) und Faremoütiers 2 ) denken. Vielleicht darf manweitergehen und sich die Konvente als edelfrei denken, indenen gestürzte Fürsten, Könige und Königinnen untergebrachtwurden. Dazu würde z. B. das von der Königin Radegundisgestiftete Kloster zum heiligen Kreuz in Poitiers gehören, wodie Kaiserin Judith von den Grossen des Reiches eingesperrtwurde, ebenso Chelles und Laon, wohin Töchter Tassilosgesteckt wurden. Und wenn die gestürzten Familien solche

1 ) Nonnenkloster. Erste Aebtissin Bertila, mit den Nonnen ausKloster Jouarre an der Marne nach Chelles verpflanzt, wo später dieBenediktinerregel galt. Balthildis, die Gattin Chlodewigs II. (639657),war die Gründerin. Sie führte für den unmündigen Chlotar III. (657bis 673) die Regierung, ward zwischen 663 und 667 von den Grossengezwungen, ins Kloster zu gehen, und lebte bis zu ihrem Tode (nach 677)in Chelles. In dem zu einem Doppelkloster erweiterten Chelles wurdeder König Theuderich IV. (721737) erzogen (Liber bist. Franc, c. 53).788 wurde eine Tochter Tassilos dorthin gesteckt (SS. 1, S. 33). Gisla,die einzige Schwester Karls des Grossen, war dort Aebtissin; seit 825Hegilwich, die Mutter der Kaiserin Judith. Nach der Vita Bertilae(bei Mabillon, Acta sanctor. ord. s. Benedicti 3, 1, 2126, verfasstgegen Ende des 8., spätestens im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts, baldSS. rer. Merov. Band 6) war Bertila:nobilibus parentibus oriunda" (c. 1),nobilis puella" (c. 2). Diese Vita verwendet sehr häufig den Ausdruckdomnus und domna, abgesehen von Gliedern des königlichen Hausesauch bei Teutlechilda abbatissa (von Jouarre), die nach ihrer Grabschriftgenere nobilis war (Le Blant 1, S. 266 Nr. 199), Bertila als Nonne inJouarre, Genesius (abbas am Hofe, dann Bischof von Lyon). Dem ent-spricht die Verwendung von domnus, domna in der ebenfalls in Chellesverfassten Vita Balthildis (SS. rer. Merov. 2, S. 475 ff.). Nach Baedalib. 3 c. 8 (ed. Plummer 1, S. 142) wurden viele Töchter (dem Zu-sammenhange nach vornehmster Geburt) in fränkische oder gallischeKlöster gesandt, vor allem nach Faremoütiers, Chelles und Andeley.In Chelles auch die Mutter des Königs Alduulf von Üstangeln und eineVerwandte des Königs Edwin von Northumbrien (Baeda 4 c. 21 [23]).

2 ) Nach Baeda (3 cap. 8) befanden sich dort zwei Verwandte desKönigs Anna von Northumbrien, die eine allerdings eine natürliche Tochter.