Druckschrift 
[Hauptbd.] (1910)
Entstehung
Seite
159
Einzelbild herunterladen
 

Ziele der Eeform. Das Hirsauer Formular.

159

gewiss bleibt nur, ob Heinrich IV. unmittelbar vor dem Be-ginne des Investiturstreites wirklich ein solches Privileg erliess,das eine neue Zeit einleitete. Von da an sind die alten vor-nehmen Abteien, die dem Königtum Geld- und Kriegsbilfe ge-währen müssen, in denen es die Aebte einsetzen kann, dieseKlöster der Zeit der Ottonen und Salier nicht mehr die Trägerdes Mönchtums, eines spezifisch deutschen, königlichen, dasvon der Kurie nicht viel hält und in seinen Archiven keinepäpstlichen Privilegien besitzt, sondern diese rein mit geistigenWaffen kämpfenden Reformer, die dem Reiche keine Servitienstellen und keine Krieger, die für das Reich nichts mehr sind,aber sehr viel für die Kurie, tragen das Ordensleben.

Das Privileg Heinrichs IV. wurde in den Reformklösterngenau bekannt und den Herrschern vorgelegt, um ähnlicheBestätigungen zu erhalten. Das Formular dieser Urkundeist, wie Naude, Lechner und Hirsch gezeigt haben, bei Her-stellung von echten Privilegien für 15 verschiedene Klösterverwendet worden, die der Richtung der Reformer folgten.Es ist gezeigt worden, wie von der Hand der Empfängerauf Grund dieses Formulars (neben dem auch andere be-nutzt wurden) die königlichen Schutzprivilegien hergestelltwurden.

Ich habe die Formel:ministris quoque et familie sanctuarioeandem concedit legem et servitutem, quam cctere in regnonostro libere abbatie habent, ut tanto fideliores prelatis suisper omnia serviant" bisher auf Dienstmannen bezogen, währendHirsch und Steinacker einfach von den Hörigen oder den

Studien über die Privilegien süddeutscher Klöster des 11. u. 12. Jahr-hunderts" in den Mitt. d. Inst. f. ö'sterr. Gesch. Erg.-Bd. 7, und Lechner,Schwäbische Urkundenfälschungen des 10. u. 12. Jahrhunderts", Mitt.d. Inst. f. österr. Gesch. 21, S. 28106 gehören zu dem Besten, was dieUrkundenkritik geleistet hat. Beide stellen die Einzelforschungen inden grossen Rahmen der Zeitbewegung und haben schon zu einem grossenTeile die Ziele der Hirsauer erkannt: gegen das Eigenkirchenwesen,gegen die Vogtei, gegen jede Abhängigkeit von weltlicher Macht, dafürSchutz durch Rom!