142 A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.
Hirsau ahmte also nicht etwa St. Emmeram oder Ein-siedeln nach, es wandelte vielmehr den Weg weiter, den einigeandere Klöster betreten hatten, es schaffte die nur durch welt-liche Bande und weltliches Recht an das Kloster, vor allem anden Abt, für sich und ihre Nachkommen gebundenen Mini-sterialen, die im Kloster bis dahin ein- und ausgegangen warenund aus diesem Orte des Stillschweigens fast eine Gasse ge-macht hatten, ab und ersetzte sie durch dem Orden durch Ge-lübde, also nach geistlichem Rechte, verbundene Laienbrüder.Wo diese Gedanken sich entwickelt haben, ist heute noch nichtgenau festgestellt. Zwar hat der Cisterzienser Eberhard Hoff-mann soeben den Verlauf im allgemeinen dargestellt, dochmüsste noch genau ermittelt werden, wie die wirkliche Uebungsich gestaltete a ).
! ) B. Hoffmann, Das Konverseninstitut des Cisterzienserordensin seinem Ursprung und seiner Organisation dargestellt. Freiburger hist.Studien, Heft 1, Freiburg i. d. Schweiz 1906. Zur Orientierung gebeich kurz die Entwicklung: Die Regel des hl. Benedikt stellte alle Mönche— ohne Rücksicht auf Priester- oder Laienstand — an Rechten undPflichten gleich. Doch entwickelte sich nach den Formen des Eintrittesein tatsächlicher Unterschied zwischen den im Kindesalter von ihrenEltern übergebenen und im Kloster erzogenen, den Oblati oder Nutriti,und denen, die erst im späteren Leben sich selbst zum Eintritte und zurConversio morum entschlossen, den Conversi. Der Begriff: Conversi wurdeaber umgestaltet; die in dem Kloster Aufwachsenden erhielten nämlichin den Klosterschulen eine sie mindestens zum Lesen befähigende Bil-dung, die meist ja sehr viel höher stand. Die Oblati wurden so Literati,während viele der später in höheren Lebensjahren eintretenden Conversieben nicht jene Kenntnisse hatten, so dass sich dem Begriffe der Illiteratioder Idiotae das Wort Conversus unterschob; damit hatte man Möncheniederen Ranges. Die Regel des hl. Benedikt kannte auch noch keineScheidung der Mönche nach der Arbeit, die Illiterati konnten aber nichtzum Studium und Unterricht verwendet werden, während die Literatifür die Feldarbeit weniger geeignet waren; so ergab sich eine Berufs-spaltung. Die Zahl der Conversi war jedoch kaum ausreichend, um dieHandarbeit zu schaffen, unter ihnen waren manche erst in reiferen Jahreneingetreten, vor allem aber musste die Zahl der Arbeiter dem Grund-besitze und der Wirtschaft entsprechend gleichmässig hoch sein. Ein