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[Hauptbd.] (1910)
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A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.

Seine Armut beweist aber nicht, dass er unfrei war. Erredet oft genug von seiner Bedürftigkeit, nie aber von seinemStande. Da beisst es:paupere de fovea protractus" (2,414,31), dann:

Nil servivi, nil merui, tarnen ecce repente

Immerito assumptus pauper bonore fruor (2, 383, 8 f.)

undobscurus licet ingenio natalibus atque" nennt er sieb ineinem Gedichte, das an den Bruder der Kaiserin Judith ge-richtet ist (2, 387, 3). In einem anderen an seinen Freund,den er in Fulda gewonnen hatte, an jenen unglücklichenMönch Gottschalk, der seine dogmatische Sonderstellungmit lebenslänglicher Kerkerhaft büssen musste, schreibt derDichter:

Atqui in pauperie passa et quam nostra iuventus (v. 23).

Der Begründer der Dichterschule am Bodensee ist alsoein Emporkömmling, aber niemals bezeichnet er sich als unfreioder nennen ihn andere so. Ist es überhaupt anzunehmen,dass Kaiser Ludwig der Fromme und die stolze Weifin Judithzum Lehrer ihres Sohnes einen Unfreien bestellt haben? Undwenn man das zugäbe, sollte dieser Unfreie das Werk Thegansüber den Kaiser veröffentlicht haben, das, wie wir sehen werden,so leidenschaftlich gegen die Unfreien im Klerus loszieht? x )

Walafrieds Armut beweist nichts gegen den freien Standaller Reichenauer Mönche des 9. Jahrhunderts.

Die Parallele Reichenau-St. Gallen kann aber bei anderenKlöstern nicht durchgeführt werden. Wir müssen andere Wegesuchen. Sollte nicht die Ministerialität weiter helfen können?Es ist ja längst bekannt, dass die Orden des 13. Jahrhunderts,die auf dem Prinzipe der Armut begründet wurden, die Fran-ziskaner und Dominikaner voran, natürlich keine Dienstmannenhaben konnten. Wie aber steht es mit den übrigen Orden?

') Vgl. über Thegan und Walafried Simson, Forschungen z. d.Gesch. 10, S. 347.

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