126 A. Schulte, Adel und deutsehe Kirche im Mittelalter.
Diesen rühmenden Worten steht mancher Tadel gegenüber.Unter Abt Engilbert wollten die Meier nicht gehorchen, alser sie zur Rodung zu verwenden gedachte.
Wir haben schon gehört, wie Abt Notker selbst ihrenEiden nicht traut. Ich glaube aus der Chronik überall denauf seine freie Geburt stolzen Mönch herauszuhören. Es isteine scharfe Kluft, welche die Freien von der wesentlich ausUnfreien bestehenden „familia" trennt. Unter Abt Notker um-fasstc sie 170 Männer; früher wurde ihnen nur Haferbrot ge-geben, Notker aber befahl, ihnen das schwäbische Brot (ausDinkel) zu reichen*).
Das Lehnswesen zog in das Kloster ein: was so vieleSchenkgeber befürchtet hatten, dass ihr Geschenk nicht denklösterlichen Betern zukomme, sondern weltfrohen Laien, tratnun ein. Die erste Fortsetzung der Casus Sti. Galli gibt vorallem dem Abte Kerbard (990—1001) Schuld, dessen Tatenman beweinen müsse 2 ). „Si ergo Kerhardus honeste congre-gata inbeneflciavit, dissipavit, perdidit, quia per hostium nonintrasset, suis actibus probavit" 3 ); mit Hinweis auf die Wortedes Heilandes wird er als der Dieb bezeichnet, der nicht durchdie Türe in den Schafstall eingedrungen sei. Wieweit alldas Ueble, was der Chronist da von Kerhard erzählt, wahr ist,mag dahingestellt bleiben. Es genügt uns zu wissen, dass inden Ausgang der Ottonenzeit diese Verwendung des Kirchen-gutes zur Ausstattung von Laien gesetzt wird: „Laicos enim,quos auxiliatores sui sceleris invenit, multis beneficiis et donisditavit. Multa autem fanda et nefanda, quae fecerat, pro toga,qua superindutus erat, utilius iudicavi silere quam dicere" 4 ).Vor dem Gerichte Ottos III. wirft ihm der Sprecher der Mönchevor: „Monachi habitum gerens, monachi opera nulla facit . . .symoniace acclesias vendidit; res acclesiae inbeneficiavit; the-
! ) Mitt. 15/16, S. 433.
2 ) Vgl. oben S. 123.
3 ) Mitt. 17, S. 15.
4 ) Mitt. 17, S. 17.