118 A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.
der Mönchsliste innerhalb dieser Periode eingetragen 83 Per-sonen, von denen sich 70 in den Traditionen wiederfinden.Es war mithin in Corvey üblich, dass bei jedem Eintritte demKloster des hl. Vitus eine Schenkung gemacht wurde. DieTradenten waren aber zweifellos alle freier Geburt, denn eshandelte sich nicht um kleine Spenden, sondern um ganzeHufen oder um Familien von Unfreien, viel seltener um einkleineres Objekt. Für die Zeit von 965 bis 1046 dürfen wiraber nicht annehmen, dass ein Unfreier, wenn er überhauptEigentum besass, ohne die Hand oder doch die Zustimmungseines Herrn eine solche Schenkung hätte vollziehen können.Aus der Freiheit der Tradenten folgt mit Notwendigkeit dieFreiheit der Mönche. Corvey war also in der Zeit von 965bis 1046 ein freiständisches Kloster, ja wir dürfen vielleichtauch freiherrliches sagen, denn wir können in den Leuten, diein solcher Weise Schenkungen für Brüder und Söhne machenkonnten, doch nicht wohl einfache freie Bauern sehen.
Diese Traditionen lassen uns auch annähernd den Rekru-tierungsbezirk erkennen *); die Grenze geht von Ebstorf (nw.Uelzen) durch die Lüneburger Heide über Walsrode-Barnstorfan der Hunte an die Ems nördlich von Meppen, dann streichtsie nach Süden auf Lavesum bei Haltern, durch das Gebietvon Soest, umschliesst dann das Waldeckische. Die südlichstenPunkte, wo Güter geschenkt wurden, sind: Wolfhagen beiKassel, die Herrschaft Itter im Hessischen südlich von Puterund endlich der einzige sicher südlich der sächsisch-fränkischenGrenze gelegene: Hirithi im Hessengau.
Nach Osten hin ist der äusserste Posten das heute rechtbekannte Stassfurt. Der Umkreis greift also nur unerheblichnach Franken hinüber, das eigentliche Westfalen ist schlechtvertreten, stark Engern und auch Ostfalen, Thüringen scheintvöllig zu fehlen. Es ist ja das alles sehr ungewiss; denn
*) Ich folge hier ausschliesslich den Ortserklärungen, die Dürrein der westfälischen Zeitschrift Bd. 41, 2, S. 8—128 und 42, 2, S. 1—84gegeben hat.