Druckschrift 
[Hauptbd.] (1910)
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

98

A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.

halten, die überwältigende Mehrzahl ist freiedler Abkunft x ).Auf Grund der zweimal von mir durchgearbeiteten Handschriftenhabe ich auch den Einwurf entkräftet, dass nur vornehme Leutebei Eintritt ihrer Söhne damals Schenkungen zu machen imStande gewesen seien: aus einem planmässig aufgestellten Ver-zeichnisse der Stiftungen zum Seelenheile folgt, dass in der-selben Zeit unfreie Personen schon Seelgerätstiftungen machen.Wenn Unedle also hier auftreten, dort fehlen, so muss man esals wahrscheinlich ansehen, dass St. Emmeram damals nurFreigeborene aufnahm. Auch in der historischen Literatur istkein St. Emmeramer als unfrei charakterisiert. Wahrschein-lichkeit, mehr ist nicht zu erzielen.

Die nächsten Jahrhunderte der Klostergeschichte sind an-gefüllt mit den leidenschaftlichen Kämpfen zwischen den Bi-schöfen und dem Kloster, nach kurzen Pausen erneuten sichimmer wieder die Zwistigkeiten zwischen dem Kloster, wo nochim 13. Jahrhundert neue Urkunden gefälscht wurden, und denBischöfen, von denen einer die Originale der Fälschungen ver-nichtete. Endlich erreichte St. Emmeram die Reichsunmittel-barkeit und die Anerkennung der Unterstellung unter den päpst-lichen Stuhl.

Für diese Periode ist der freiständische Charakter nichtmehr wahrscheinlich. Vielleicht schon ganz zu Anfang, sicherum 1190 waren unfrei Geborene im Konvent, und die Namen,welche von da bis 1279 erhalten sind, gehören zum Teil Regens-burger Bürgern an. Die zahlreiche Ministerialität des Klosters istdagegen in dem Konvente mit Sicherheit nicht nachzuweisen 2 ).

Das Kloster Niedermünster, unbekannten Alters und Ur-sprunges, trat in den Kreis der vornehmsten Klöster, als derHerzog Heinrich I. den Bau einer neuen Marienkirche begannund dann seine Gemahlin Judith, die Letzte aus dem Hause derLiutpoldinger, dem Kloster ihre Gunst und Gnade in gleichem

1 ) Vgl. den Exkurs IX.

2 ) Vgl. den Exkurs IX.

s^mttBS&BBnSsfäSH