Druckschrift 
[Hauptbd.] (1910)
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

60

A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.

der Konvent selbst war bunt, die Stifter vermeiden im all-gemeinen die Aufnahme der Töchter der eigenen Dienstmannen alles in allem ist eher zu vermuten, dass diese Stifterfrüher rigoroser waren, als in der Zeit, die wir überschauenkönnen. Aber bewiesen ist es nicht, dass diese Stifter einstebenso freiherrlich waren wie ihre süddeutschen Gegenstückein Zürich, Säckingen und Waldshut.

Der münsterländische dienstmännische Adel beherrschtelängst das Domkapitel, das Kapitel am alten Dome, das vonSt. Mauritz wiewohl auch hier in den Dignitäten Edel-geborene bevorzugt wurden; in den Frauenstiftern kam ererst mit der Gegenreformation auf die Stühle der Aebtissinnen.

Die wichtigste Erkenntnis ist aber, dass die Wahl eineredelfreien Aebtissin nicht eine Usurpation ist, sondern ein alterheiliger Brauch, der sich auch unter den schwersten Be-dingungen erhielt.

Nachträglich ergibt sich mir doch zur Evidenz: Herfordhatte immer nur edelfreie Kanonissen 1 ).

') Fink hat sich bei der Urkunde von 1399 auf das Inventar ver-lassen. Das Original im Staatsarchiv zu Münster sagt aber:discretepuelle Cristina de Kersenbroke decana, Hillegundis de Heyde thesaurariaet Künegundis de Arnholte canonice ecclesie s. Marie predicte", nichtalso s. Pusinne, sondern ecclesie montis s. Marie extra muros Hervordenses,das ist das adlige Unterstift. Im gleichen Archive finde ich als Kano-nissen von Sa. Pusinna im 15. Jahrhundert, alle edelfreien Ursprungs:Lutgard v. Grafschaft (00. hat ein Kind geboren), Lutgard v. Limburg(0927), Adelheid v. Büren (09), Margarete v. Pietingen (0916), Erm-gard v. Solms (16), Ermgard v. d. Lippe (2125), Sophia v. Gleichen (25),Margaretha v. Gl. (2543), Sophia v. Braunschweig (3841), Lutgardv. Plesse (41), Margareta v. Braunschweig (43), Alheid v. Dorstadt (4651),Metele v. d. Hoya (50. 51), Margarete v. Hunoltstein (7794), Annav. H. (78), Sophie v. Limburg (7894), Elisabeth v. Oldenburg (94) undBonezet v. Limburg (94). Also 18 Damen aus 13 Geschlechtern.

j3l8iBSffl3*iwiEfflffiip