Standesverhältnisse in westfälischen Stiftern.
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Und solche waren — sehen wir von Liesborn ab, das wirnicht kontrollieren können — alle älteren Stiftungen desMünsterlandes einschliesslich Herford. In Herford ward dieseRegel bis 1802 mit wenigen Ausnahmen beobachtet. Aebtissinwaren in früher Zeit Mathilde, die Grossmutter der KöniginMathilde, und Godesdiu, eine Billungerin. Erst von 1290 sinduns die Familiennamen sämtlicher Aebtissinnen bekannt. Dableibt nur zweifelhaft Lutgard von Bickenem (1324—60). BeiVreden, einer Stiftung des Stammes Widukinds — wo nebenHathewig, einer Billungerin, auch Adelheid, Tochter KaiserOttos IL, wie zu Quedlinburg, Aebtissin war — lassen sichfast alle Aebtissinnen als edel, keine einzige als ministerialischerweisen. Auch in den Jahrhunderten seit der Reformationwurde an dieser Regel, soweit ich das sehen kann, festge-halten. Bei Freckenhorst, wo 1298 auf Grund der oben be-handelten Urkunde aus dem Sauerlande eine Freiedle, Beatrixvon Grafschaft, geholt wurde, liegt ein Bedenken nur beiKatharina von Weingarten (1329—50) vor, die einem Frecken-horster Ministerialengeschlechte angehört haben würde, alleinder Name findet sich erst in Quellen, die nicht viel über 1700zurückreichen. Erst im Jahre 1688 zog eine Ministerialin inden Chorstuhl der Aebtissin ein: von Korff-Suthausen, ihreVorgängerin war freilich aus nicht besserem Blute, aber beiden Tiroler Grafen von Wolkenstein deckte der Titel einesReichsgrafen den Mangel des Blutes.
Im St. Nikomedesstifte zu Borghorst waren im 14. und15. Jahrhundert drei Aebtissinnen ministerialischen Blutes*)und schon 1268 eine aussereheliche Angehörige eines freiedlenGeschlechtes 2 ), mit 1674 beginnt die Reihe der Aebtissinnenaus dem münsterländischen niederen Adel mit einer Verwandtendes damaligen Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen.
*) Engela von Sehwansbell, Sophia von Schonefeld und Hereburgisvon Almelo.
2 ) Mathilde von Hardenberg.