Rekrutierung des Strassburger Domkapitels.
31
Am stärksten war die Gegend vertreten, welche dem Zuge derRauhen Alb bis zum Rheindurchbruch durch das Juragebirgefolgt 1 ). An den schroff abfallenden Nordhängen wie in dentief eingeschnittenen Tälern des Südens dieses langen Jura-zuges erhoben sich die Burgen zahlreicher Freiherren- undGrafengeschlechter, aus ihnen waren auch die Staufer und dieZollern hervorgegangen.
Je mehr die kleinen elsässischen Edelgeschlechter aus-starben, um so grösser ward die Zahl derer, die nicht im Bis-tume geboren waren. Als 1583 der grosse Kapitelstreit aus-brach, war unter den 24 Kapitularen überhaupt kein Elsässermehr; dem alten Schwaben im weitesten Sinne gehörten 6 an(Tengen-Neuenbürg, 3 Truchsessen zu Waldburg, Sulz, Hohen-saxen), 1 war Lothringer (Kriechingen), 17 waren Norddeutsche,die rheinische Gruppe umfasste 7 Herren (Salm, 3 Mander-scheid, Sayn, Winnenberg, Jülich-Cleve), die sächsisch-nordische7 Herren (Sachsen-Lauenburg, Waldeck, 2 Mannsfeld, Schles-wig-Holstein, 2 Braunschweiger), 3 aus der Mitte (Leiningen,2 Solms) 2 ).
Das Gegenstück zu dem Strassburger Domkapitel war daszu Köln; aber war, was man leicht für die Jahrhunderte derNeuzeit erkannte, auch für das Mittelalter gültig? Und wiestand es denn in den Domkapiteln der beiden anderen rheini-schen Erzstifte? Um eine Antwort darauf zu erhalten, stelltedie philosophische Fakultät der Universität Bonn eine Preis-aufgabe, die einen Bearbeiter fand von jener Unverdrossenheit,jenem Spürsinne und jener Sorgfalt, die ein korrekter archi-valischer Forscher haben sollte. Wilhelm Kisky hat die Er-gebnisse seiner mühseligen Forschungen für die Zeit von 1300bis 1500 veröffentlicht 3 ); er hatte, andere Ziele wie Kothe ver-
') Vgl. Exkurs III: Ueber die Zusammensetzung des StrassburgerDomkapitels.
2 ) Vgl. Meister, Der Strassburger Kapitelstreit 1583—92, S. 20 ff.
3 ) "Wilhelm Kisky, Die Domkapitel der geistlichen Kurfürstenin ihrer persönlichen Zusammensetzung im 14. und 15. Jahrhundert. Ge-