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[Hauptbd.] (1910)
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Kritik der v. Dungernschen Sätze.

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sichtlich aus der verschiedenen Auffassung der Ehen vonSöhnen und Töchtern des neueren niederen Adels.

Die Ehe eines Diplomaten oder eines Offiziers mit einerDollarprinzessin oder einer europäischen Krösustochter ist heutehäufig geworden, sie steht aber im Widerspruche mit denalten Anschauungen und den sich aus ihnen aufbauendenFamilieninstitutionen. Die Fideikommisse sind vielfach an denBesitz eines sauberen Stammbaumes gebunden die Folge,die man aus den genealogischen Hausbüchern sich leicht zu-sammenstellen kann, ist die: der Erbe des Fideikommissesheiratet ebenbürtig, die nachgeborenen Söhne finden eine Dame,die durch Vermögen die Mängel der Geburt ausgleicht. Obdie Töchter sich ebenbürtig oder nicht ebenbürtig verheiraten,ist heute ziemlich gleichgültig: in exklusiven Familien wirdder niedergeborene Ehegatte allerdings nicht rezipiert, über dieAchsel angesehen, reiche Bürgerliche finden eher Gnade! Heutebleibt ein grosser Teil der Töchter des Adels ledig, im Mittel-alter aber hatten die Töchter des freien Adels gute Aussichten:sie allein galten innerhalb ihres Standes als ebenbürtige Gat-tinnen, dann boten sich Heiraten mit dem niederen Adel,endlich hielt die Kirche ihnen viele Stiftungen offen.

v. Dungern hat auch im einzelnen viele Irrtümer be-gangen wer sollte auf einem so grossen, so liederlich be-stellten und so lehmigen Boden nicht einmal daneben treten.Wir kommen zwar darin überein, dass wir beide eine anfäng-lich scharfe Differenz des Geburtsstandes für richtig halten,wie endlich einen Ausgleich dahin, dass diejenigen FamilienEbenbürtigkeit erringen, die Landesherrschaft oder gar Sou-veränität erreichen. Wie die Bonapartes so die Montenegriner um ganz junge Beispiele zu wählen. Der Unterschiedliegt vor allem in der Zeit: vor 1300 waren Missheiraten derSöhne des hohen Adels schwere Missgriffe, die man sanierte,bis 1400 wirkt das nach, dann kommt der Briefadel auf, derohne Rücksicht auf solche Ehen erteilt wird. Ausnahmensind in so fern vorhanden, als alte Reichsministerialen oder

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