2 A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.
Orden und Kongregationen der katholischen Kirche" (3 Bde.2. Aufl. Paderborn 1907 f.) die Literatur genau berücksichtigt,hat die Arbeit keine tieferen Spuren hinterlassen, da er diesicheren Ergebnisse berichtet, ohne sich genauer um die Sachezu kümmern*). Wer die Ergebnisse überhaupt erfuhr, sah inihnen eine neue Kuriosität des Spätmittelalters; wenn es alsowirklich solche freiherrlichen Klöster gab, so glaubte man, dassder Missbrauch der dem Adel überhaupt vorbehaltenen Klösterund Stifter an den von mir nachgewiesenen Orten noch eineSteigerung erfahren habe, indem dort nur der Hochadel Zu-lassung fand. Lokale Steigerung verbreiteter Missstände wardie Formel, die man fand 2 ).
Meine Untersuchung beschäftigte sich mit dem in denTagen Karl Martells unter seinem Schutze entstandenen KlosterKeichenau und mit zwei gleichfalls recht alten Kanonissen-stiften 3 ). Das von Säckingen ist älter als die Reichenau, eshat wohl sicher Verbindungen gehabt mit dem Kloster zum
') 1, 227.
2 ) Ich zitiere hier nur kurz ein paar Anzeigen über eine jüngereArbeit. Es sind die Anzeigen des später zu behandelnden Buches vonKisky durch Alb. Huyskens in der Deutschen Literaturzeitung 1906Nr. 38, durch K. Th. Zingeler in der Liter. Rundschau 1908 Spalte 80,welche beide den Gedanken eines alten Ursprunges der „Missbräuche"ablehnen.
3 ) Ich sagte damals Klöstern. Heute weiss ich nicht, ob ich Stiftoder Kloster sagen soll, seitdem Heinrich Schaf er überzeugend nach-gewiesen hat, dass zu Unrecht viele Stifter als Klöster angesprochenwurden. Es ist das ein Verdienst seiner beiden Bücher: „Pfarrkirche undStift im deutschen Mittelalter" und „Die Kanonissenstifter im deutschenMittelalter" in Stutz, Kirchenrechtl. Abhandlungen, Heft 3 u. 43/44,Stuttgart 1903 u. 1907. Offenbar geht aber nun Schäfer hie und daseinerseits zu weit. Vgl. die Anzeige von Levison in d. WestdeutschenZeitschrift 27, S. 491—512 und die Erwiderung: Kanonissen und Diako-nissen, Römische Quartalschrift 24 (1910), S. 40—90, auch JohannaHeineken, Die Anfänge der sächs. Frauenklöster. Göttinger Disser-tation 1909. Die mühselige Einzelfeststellung würde mich zu weit führen,ich folge daher, wo sich mir nicht eine andere Meinung aufdrängt, unterVorbehalt der Ansicht Schäfers.
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