M
«
klerikale oberelsässische Abgeordnete Keller. Die Erklärung aberhatte entworfen kein anderer als Gambetta, der zwar niemals imElsaß gewesen, aber doch in Straßburg zum Vertreter gewähltworden war, er, der Südfranzose, der Sohn einer Italienerin.Zwei Jahrhunderte sei man mit Frankreich verbunden (für dasHerzogtum Lothringen und Teile des Elsasses war das nicht wahr),sie seien unaufhörlich den Stößen des Feindes ausgesetzt gewesen(tatsächlich den Bestrebungen, sie zu reannektieren), Frankreichdürfe nicht eine nationale Einheit zu teilen einwilligen (als wennes das nicht immer vom Teutschen Reiche gefordert hätte), einVolk dürfe sich überhaupt nicht verstümmeln lassen (als wennFrankreich sich nicht gewaltsam bis Lübeck ausgedehnt hätte),Europa könne das nicht zulassen, Europa könne ein Volk nicht wieeine Herde behandeln lassen, Frankreich sei jetzt wie in der Ver-gangenheit eine Barriere gegen den Geist der Eroberung und derInvasion (Ludwig XIV. und Napoleon lachten wohl in diesemAugenblicke). Die Abgeordneten erklärten von vornherein jedeAbtretung für null und nichtig. Ein solcher Vertrag sei ein ver-derblicher Waffenstillstand und kein definitiver Friede (als wenndasselbe nicht ebenso von den Vesiegten Ludwigs XIV. und Na-poleons gelten würde). Für alle Nachkommen schwur man, ewigdiese Rechte geltend zu machen (das sagten die Enkel der vonFrankreich geraubten Vorfahren). Dann folgte der Antrag,die Nationalversammlung solle die Erklärung in Betracht ziehen.
In der Erklärung steht nichts von der Nationalitätsidee. Siehätte nur Französisch-Lothringen gegolten; eine Nücksicht auf dieNotwendigkeit, Deutschland für die Zukunft zu sichern, war hübschverschwiegen. Die Geschichte von Jahrhunderten war verleugnetworden, nur das Gefühl des Augenblicks galt.
Wie war diese Erklärung zustande gekommen? Recht viele,der Abgeordneten waren in den Zug gestiegen, um Autonomie^«erstreben, wie es einer von ihnen, August Schneegans, bezeugt.Ihr Haupt, Küß, kam totkrank an, er starb in -Bordeaux. Unterden übrigen fand sich kein staatsmännisches Vlut.^ Da sie meistRepublikaner waren, wandten sie sich nicht an die Gemäßigten, siehörten nicht auf Thiers, der den wenigen, die ihn aufsuchten, Vörschund Saglio, den Rat gab, sich nach Brüssel oder Berlin'zu wenden,um möglichst günstige Bedingungen zu erreichen; er zeigte ihnenvergeblich den Weg, in Sorge für die Heimat ihr in der geeigneten
314