iMOM
NWl
das französische. Die ganze französische Geschichte schien es ihnenzu beweisen, daß die Uneinigkeit Deutschlands eine Grundbedingungdes Glückes von Frankreich sei. Man besaß nicht die Weisheit, dienunmehr unwiderruflichen Änderungen freimütig anzunehmendAuch der andere Weg, der der offenen Stellungnahme gegen diedeutsche Einigung, verbot sich von selbst: er hätte ihn zum Stören-friede Europas gemacht, im Innern die Feinde vermehrt und seinesichersten Anhänger, die friedliche Arbeit wollten, ihm entfremdet.
Der, schmale Weg des Zuwartens, Sammelns und Nüstensund des Servortretens mit der verhaltenen Kraft zu guter Stundewäre einem anderen Herrscher leichter gefallen als ihm, der bisdahin durch scheinbar glänzende Expeditionen sich den für ihn un-umgänglichen Nuhm verschafft hatte. Einen solchen Weg erfolg-reich zu durchmessen, ist nur einem ganz großen, schweigsamen Fürstenmöglich, am wenigsten einem Kranken, der einem jungen Sohneden Thron sichern muß. Für all die Demütigungen eines solchenWeges war seine Herrschaft zu unsicher. So geht er bald diesen,bald jenen Weg, führt eine Politik ohne Konsequenz.
Auf einen großen Krieg hat er nicht systematisch hingearbeitet.Pazifistische Gedanken waren verbreitet und trieben zu Abrüstungs-Plänen, andererseits äußerten sich aber heftige Nevanchegedanken.Damals erschien das mehrfach erwähnte Buch Lavallees, und dereinflußreiche Girardin erinnerte an das Wort Napoleons I.:„Frankreich ohne die Nheindepartements, ohne Belgien, ohneAntwerpen, ohne Ostende wäre nichts," und schrieb: „Wenn fürEuropa ein Blutbad nötig ist, so muß man es bereiten."
Es mußte so trotz allem Friedensgerede schließlich doch einmalzum Kampfe kommen; denn das deutsche Volk wollte seine Einigungvollenden, die deutschen Fürsten hatten eingesehen, daß sie vonihren Souveränitätsrechten so viel zum Opfer bringen mußten,als für die Gesamtheit unbedingt notwendig war, und währenddes Krieges machte diese Gesinnung große Fortschritte: seitdemhaben wir einen deutschen Fürstenstand, der die Sünden seiner Vor-fahren nicht fortsetzen, sondern austilgen will. Frankreich aberwill diesen Einigungsprozeß hindern. Ja noch mehr als das, dieLehre, daß der Nhein die natürliche Grenze Frankreichs sei, daßdie Millionen Deutscher auf dem linken Nheinufer kein Necht auf
VW
So venig, I^a fonclation äe I'Tmpire allemanä, S. 438.
301