'-^,
»««W»
XXI.
Frankreichs Rheingelüste von 1815 bis 1870.
Das legitime Königtum: Der „große Plan" Polignacs. — Was Juli»lönigtum: Belgien. — Die Nheinlinie im syrischen streite. — Das zweiteKaiserreich: Nationalitätsidee. — Entschädigungen am Nhein. — Luxem-burg. — Belgien. — Das französische Volk und die deutsche Frage. — Diehoyenzollernsche Thronkandidatur. — Erfolg und Niederlage Gramonts. —
Der Krieg.
H^at nun Frankreich den mehr als großmütigen zweiten Pariser^/ Frieden innerlich anerkannt? Gewiß waren weite Kreise froh,nun aus den Abenteuern, die man erlebt hatte, zur Nuhe zurück-gekehrt zu sein, aber es gab Feuerköpfe, die den Verlust des größtenTeiles des linken Nheinufers ni,cht verschmerzen tonnten und diedeutschen Grenzlinien durchaus für leicht verschiebbar hielten. DerDichter Chateaubriand, ein gefährlicher Politiker, hat schon 1823auf dem Kongreß von Verona den Versuch gemacht, den Zaren fürdie Nheingrenze zu gewinnen, indem er ihm Konstantinopel verhieß.Während des Nussisch-Türkischen Krieges 1828 richtete er im gleichenSinne eine Denkschrift an die Negierung, der General Nichemonttat das gleiche: „Was der Bosporus für Nußland ist, das ist derNhein für Frankreich." Da nahm einer der am stärksten von derPhantasie beherrschten Franzosen, jener Minister, der das Unglückfür das Kömgtum in Frankreich wurde, Fürst Jules Polignac, denGedanken auf und bildete sich seinen „großen Plan", der die Billi-gung des Königs Karl X. fand.
Die Türkei war von den Nüssen besiegt worden, also ließ sichdie Beute teilen. Die rumänischen Fürstentümer Und ein DrittelKleinasiens sollten Nußland zufallen, Österreich den Norden derValkanhalbinsel erhalten, Konstantinopel mit den Meeresküstenein griechisches Neich bilden unter dem Zepter des Königs derNiederlande. England sollte die holländischen Kolonien erhalten,Kolland selbst aber an Preußen fallen. Dieses hätte dafür das linkeNheinufer fast völlig an den König von Sachsen geben müssen, indiesem Fürsten glaubte man einen zuverlässigen Herrn dorthin zuverpflanzen, andere Stücke des linken Nheinufers sollten an Bayern
296